Buch 
Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
Entstehung
Seite
93
JPEG-Download
 

Graf Mirabeau's Vergangenheit.

93

helfen wollen, wie diese mit dem jener. Mit der ansehnlichenMitgift, welche auf lange Zeit das Einzige war, was beide Häuserbeisteuern konnten, wurde ein Jahr lang in Saus und Braus ge-lebt. Er hatte seine, sie ihre Leidenschaften, ihm stieg der Rauschzu Kopf, den großen Herrn zu spielen und sie hatte die gleicheNeigung, ein großes Haus zu machen; beide Theile kümmertensich nicht viel um einander; allmälig aber entstand in den Fi-nanzen ein bedenkliches Mißverhältnis;, das Capital war schon an-gegriffen, als die Zinsen verschleudert waren. Dergleichen kannvorkommen und sich bessern, wenn die Gatten sich näher stehenoder wenigstens im Laufe der Zeit näher treten; aber das geschahhier nicht und konnte nicht geschehen, denn sie hatten von jeher keineNeigung zu einander gehabt. Ihn hatte theils des Vaters Wunsch,theils die Eitelkeit getrieben, die nmworbenste Partie der Provenceheimzuführen, und sie hatte einen ähnlichen Ehrgeiz gehabt. Manwarf sich gegenseitig die Schuld an dem gemeinsamen Unglück vorund Beide hatten Recht. In Kurzem waren die Gläubiger wie-der hinter Mirabeau her, wie einst hinter dem Dragoneroffizier.Ueber seine Lage in dieser Zeit schreibt er später:Meine Schul-den stammen sämmtlich aus dem ersten Jahre meiner Ehe undweil ich diese nicht abtragen konnte, mußte ich neue und größeremachen. Ich bin nicht derangirt wie andere Verschwender, diesich unter den Ruinen ihres Vermögens begraben, ihre Habe durchdie Karten oder den Schmutz der Lüderlichkeit verschlingen lassen.Der Bermögenszustand meines Vaters erlaubte diesem nicht, mirGeld vorzustrecken, ich mußte also borgen. Man kennt die un-glückseligen, aber verführerischen Quellen, aus denen die Söhnegroßer Familien zu schöpfen pflegen: bei kaltem Blute reizen sienicht, aber ich in meiner Lage hatte nicht kaltes Blut. Ein Er-trinkender greift, um sich zu retten, nach einer rothglühenden Ei-senstange. Aus Leichtsinn hatte ich angefangen, aus Noth fort-gefahren und aus Verzweiflung ließ ich Alles gehen. Um michzu betäuben, stürzte ich mich in Zerstreuungen. Als ich erwachenwollte, war es zu spät."

Der Vater wirkte einen Verhaftsbefehl gegen ihn aus derami ciö8 llomwes soll sich deren gegen 60 verschafft habenund suchte außerdem um einen Spruch nach, wodurch Honortzmundtodt erklärt werden sollte. So kam er März 1773 nach