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Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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Einleitung, tz. 4.

von denselben Speisen, ermuntert sie, hält sie aufrecht. Jetzt hater auch eine Art Schiedsgericht gegründet dann hat er ver-worrene Rechnungen geordnet, Reglements entworfen; kurz er istder Dämon des Unmöglichen er verdient jetzt, daß ich ihn mitVertrauen behandle."

Mirabeau bewährte hier die allgemeine Geschmeidigkeit seinesWesens, sich in Alles zu finden, wie fremd es ihm auch seinmochte, und seine Meisterschaft, die Menschen zu leiten wie Pup-pen und zwar hier, hungernde Menschen, was keine Kleinigkeitwar im alten feudalen Frankreich. Der Vater fängt an, mitStolz auf seinen Sohn zu schauen: seit 500 Jahren, meint er,habe man den Mirabeau's nachgesehen, daß sie nicht waren wieandere Leute, man werde es auch diesem verzeihen und der werdeseinem Namen keine Unehre bereiten. Er glaubt, etwas aus ihmmachen zu können und leitet ihn an, unter den angesehenen Töch-tern der Provinz um eine Frau zu werben. Auch hier wirkt derväterliche Egoismus mit: einmal wünscht er ihn aus dem Hausezu haben, denn er hat die Furcht noch immer nicht überwunden,daß er doch einmal als Waffe gegen ihn werde gebraucht werden,dann war der Marquis nicht so reich als er schien, und einereiche Heirath des ältesten Sohnes mußte seinen eigenen zerrüt-teten Verhältnissen hoch willkommen sein. So wurde der Sohnbei dieser und jener Familie eingeführt; eine der angesehenstenwar die der Mariguans und die Tochter des Hauses galt für eineglänzende Partie: sie war eine schöne, geistreiche Weltdame ganzin jenen Formen des Lebens und der äußeren Bildung aufge-wachsen, wie man sie damals als Weltkunst pries, freilich von der-selben Oberflächlichkeit und dabei angeblich unermeßlich reich. Demjungen Grafen, demFratzengesicht, häßlich wie der Teufel," wieihn der Vater früher nannte, gelang es, der Bräutigam diesesFräuleins zu werden und alle Bewerber aus dem Felde zu schla-gen (1772>. Kurz vorher war der Vater mit ihm in Versaillesgewesen und hatte dort erfahren müssen, daß ihn der Sohn überallverdunkelte: er schrieb darüber,die Leute behaupten lächerlicherWeise, er habe mehr Geist als ich."

Die Heirath war eine unglückliche Spekulation; auch dasVermögen der Mariguans war in gedrückten Umständen und dieseFamilie hatte sich ebenso mit dem Vermögen der Mirabeau's auf-