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Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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104
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104 Einleitung. H. 4.

Abgeordnetenwahl vorstellte, da war nur eine Stimme, ihn undkeinen Andern zu wählen.

Seine Reden, die wir zum Theil in den Memoiren gedrucktbesitzen, sind eine furchtbare Anklageakte gegen das alte Shstem inRecht, Staat, Gesellschaft. Er will sich nicht als Tngendhelden,noch weniger als Sittenrichter hinstellen — von seinen eigenenFehlern und Berbrechen spricht er mit merkwürdiger Unbefangen-heit — aber er hält der alten Ordnung einen Spiegel von furcht-barer Wahrheit vor, er fragt, wo ist euer Recht, mich als einengrößern Verbrecher anzuklagen, als ihr selber seid? Es waren po-litische Reden, gerichtet nicht gegen eine Familie, sondern gegeneine ganze sociale Ordnung.

Jetzt endlich stand Mirabeau frei seiner Vergangenheit gegenüber,seine Familie hatte sich von ihm losgesagt, er stand allein, war,wie es scheint, in bitterer, tiefer Geldnoth; wieder mußte er vonseiner Feder leben, die ganze Fruchtbarkeit seines Geistes und sei-ner Arbeitskraft ausschöpfen, um das tägliche Brod zu haben; selbst-verständlich konnten diese Erzeugnisse nicht lauter Meisterwerke sein,wie denn auch unter seinen ersten 38 Schriften nur ein solcheswar: der essni snr le cköspotisunz. In Paris war er nicht mehrsicher, seit ruchbar geworden war, daß er der Verfasser dieserSchrift sei. Er ging nach England, ehe ihn ein neuer Haftbefehlereilte, lernte die dortigen Zustände kennen und lebte ziemlich dun-kel als Schriftsteller. Auf den Rath seiner Freunde kehrte er zu-rück; es war die Zeit der beginnenden Wehen des MinisteriumsCalonne. Verschiedene hochgestellte Personen brauchten seine Feder,bald aber überwarf er sich offen mit dem Minister und verließParis , wie er damals glaubte und entschlossen war, auf immer.England, die Schweiz, Holland kannte er schon, er ging deshalbnach Deutschland, und zwar zunächst nach der Stadt, die, ob auchdas Licht schon im Erlöschen war, noch immer den Mittelpunktder deutschen Dinge bildete, nach Berlin. Friedrich der Großenahm ihn freundlich auf, der Held des sinkenden und der Titandes neuen Zeitalters hatten Unterredungen mit einander, derenWortlaut uns leider nicht überliefert ist. Denkwürdig ist jenesGespräch, in dem Mirabeau den großen König fragte, warum er,der Cäsar Deutschlands, nicht auch der Augustus der deutschenLiteratur habe werden wollen? und Friedrich antwortete: Sie