Buch 
Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
Entstehung
Seite
139
JPEG-Download
 

Der dritte Stand als National-Versammlung.

139

Adel und vorn Clerus durch eine letzte Aufforderung (unscksrnisrs sominntion) zur gemeinsamen Prüfung der Vollmachtenim Saale der Gemeinen einzuladen und dann, unter Protokolli-rung der nicht Erschienenen, ohne Aufschub an das Werk derConstituirung zu gehen. Der Antrag wurde mit lebhaftem Bei-fall begrüßt; er war das Losungswort, das Werde der Revolution.Mit einer kleinen Milderung im Ausdruck (statt sommutiouwurde invitutiou gesetzt', wurde er wirklich zum Beschluß erhoben.

Am 12. Juni rechtfertigten die Gemeinen in einer Adressean den König den gefaßten Beschluß, am Tage darauf begann,ohne daß die Privilegirten eingelenkt hätten, die Prüfung der Voll-machten; noch in derselben Sitzung erschienen, von: allgemeinenEnthusiasmus begrüßt, drei Pfarrer, die sich dem dritten Standeanschlössen, während der Adel seine frühere Ablehnung erneuerte.Unter fortwährenden Uebertritten einzelner Pfarrer hatte die Prü-fung ihren Fortgang, am 15. ward sie geschlossen, damit hattensich die Gemeinen als Vertretung der Nation konstituirtund nur der Name fehlte noch.

Darüber erhob sich eine lebhafte Berathung vom 15.—17.Juni.

Gegenüber den Vorschlägen, die mit mehr oder weniger Be-wußtsein von dem Gedanken der Allmacht der Versammlungeingegeben waren und die schließlich in der Bezeichnung nsssinksissnrckiorucks gipfelten, verlangt Mirabeau den Namen Vertreterdes französischen Volks (rsprsssntnnts <1n psnpks krnn-ynis». Weiter, meint er, dürfe man nicht gehen, jede Bezeichnungdarüber hinaus sei eine Usurpation, die man vielleicht später zubereuen Ursache habe. Er hat eine vollkommen klare Vorstellungvon der ungeheuren Gefahr, die in einer einzigen Versammlungvon unbegrenzter Souveränetät liegt, ihm schwebte dagegen dasBild einer, verfassungsmäßig geordneten, festen monarchischen Ge-walt vor, die mit einer solchen parlamentarischen Souveränetätnicht mehr vereinbar war. Viel glänzende Worte sind damalsgesprochen worden, aber staatsmännisch war doch nur, was Mi-rabeau sagte. Die Versammlung wollte damals noch nicht dasUeberwachsen des Parlaments über die Monarchie, «i» des Hau-ses waren noch gut monarchisch gesinnt, aber die Gefahr, die indem Namen lag, sahen sie nicht ein und ließen sich über ihr Ziel