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Erster Abschnitt, tz. 5.
Diese Verfassung ist nie wirklich geworden, an demselben Tage,wo sie verkündigt wurde, war sie auch schon ein zerpflücktes BlattPapier. Aber das Scheitern dieses letzten Versuchs der altenStaatsgewalt, sich aufzuraffen, steigerte nur den Muth der Ver-sammlung, die gedemüthigt werden sollte, und da der Adel nochnicht nachließ mit seinen Attentaten, so kam es zu einem blutigenAusbruch furchtbarster Art, der so siegreich war, wie nur Etwassein konnte.
Am 23. versammelten sich die drei Stände unter Förmlich-keiten, die an die lits dv,ju8ti6e erinnerten, um den Befehl desKönigs zu vernehmen.
Ludwig bestieg den Thron, sprach verlegen, ängstlich, fast zit-ternd «ine Reihe gebieterisch klingender Worte aus, die man ihmaufgeschrieben hatte; er befahl, aber seine Haltung widerlegte seinBefehlen, er drohte, aber Stiinme und Geberde verriethen dieeigene Seelenangst.
Nach einigen einleitenden Worten, worin der König seinMißvergnügen darüber aussprach, daß in den zwei Monaten seitihrem Zusammentritt die Stände noch nicht einmal über die ersteFormfrage der Berathung hinausgediehen seien, verlas ein Staats-sekretär eine Erklärung in 5 Artikeln, deren erster die Beschlüssevorn 17. für ungiltig erklärte: darauf in 35 Artikeln eine Reihefreisinniger Verheißungen «Steuer- und Anleihebewilligungsrechtder Stände, Abschaffung der Taille, der Frohncn und der Leib-eigenschaft, der Staatsgefängnisse und Haftsbriefe, Einführung vonProvinzialständen, sowie Presse, Iustizreformen betreffend), aber —die neuen Stände sollten berathen und stimmen wie die alten,nämlich nach Ständen. Demgemäß war denn auch das letzteWort des Königs: „Ich befehle Ihnen, meine Herren, sofortauseinander zu gehen und sich morgen früh in den abge-sonderten Berathungsräumen, Stand für Stand, zur Wieder-aufnahme Ihrer Arbeiten einzusinken."
Nahm man die letzte Clausel weg, so enthielten die Gewäh-rungen mehr, als einst Turgot verlangt hatte: was Frankreichfehlt, hatte dieser einmal gesagt, ist eine Verfassung; hier warendie Grundziige einer Verfassung mit Ständeversammlung, Sturzdes Feudalstaates und vielen wohlthätigen Reformen, aber wasfrüher großen Dank geerntet haben würden, ward jetzt nicht bloß