Der Hof, die Nationalversammlung und die beginnende Anarchie. ItzI
habt hätte, doch nicht zu königlichen Dingen angelegt, wie vielweniger jetzt.
Am späten Abend des 14. brach sich Graf Liane ourt indas Schlafzimmer des Königs Bahn. Er hatte das wogende Pa-ris gesehen und war abgereist, als es dort hieß: Nach der Bastille!Als er erzählte, was er gehört und gesehen, da, wird berichtet,habe der König die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen undgerufen: mnis v'est uu« rovoito, worauf Liancourt versetzte: lioii8iro, o'ost nne Involution.
Der König war vereinsamt und suchte eine Stütze in seinerVerlassenheit. Sein Bruder, Graf Artois, der eifrigste Rathgeberdes Staatsstreichs, hat ihm *) zuerst den Gedanken eingegeben, sichin den Schooß der Nationalversammlung zu flüchten, ihr Wortedes Vertrauens und der Annäherung auszusprechen.
Die Nationalversammlung war eben im Begriff, entflammtvon einer leidenschaftlich aufregenden Rede Mirabeau's, eine Ab-ordnung an den König zu schicken, als ihr gemeldet wurde, derFürst erscheine selber ohne Wache und Begleitung. Mirabeauforderte in gebieterischem Ton, daß er niit düsterer Zurückhaltungempfangen werde, „das Schweigen der Völker sei die Lehre derKönige". — Aber als nun der König entblößten Hauptes, begleitetvon seinen Brüdern, in schlichten herzlichen Worten Vertrauenum Vertrauen, Versöhnung um Versöhnung bot, da brach die Ver-sammlung in stürmischen Jubel aus. Auch sie hatte die Empfin-dung: wir sind der letzte Rettungsanker des Königthums. DieNationalversammlung beschloß eine Abordnung von 100 Mitglie-dern nach Paris zu schicken und dort Ruhe zu stiften.
Zwei Tage später entschloß sich auch der König nach Paris
zu gehen; am 17. Juli trat er die schicksalvolle Reise an, um zukapituliren mit dem Aufstand vom 14. Er selbst erzählte nachher,der Eindruck dieser Fahrt sei ihm unvergeßlich.
Als er einzog in die Stadt, wo jetzt kein Militär mehr war,
und statt dessen eine bewaffnete Masse, von meist unheimlichem
Aussehen, dichtes Spalier bildete vom Thor bis zum Stadthaus,empfing ihn kein Gruß, kein Willkommen von Seiten des Volks.Erst in den dichteren, belebteren Quartieren, wo der Mittelstand
il*
Nach Bailly.