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Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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Erster Abschnitt. §. 6 und 7.

Die Bauern hatten gegen den Feudalstaat die Waffen er--griffen; sie stürmten die verlassenen Schlösser ihrer Gutsherrn,brannten die Klöster nieder, ganze Banden von Räubern und Mör-der» zogen plündernd und mordend durch das Land: in derFranche Comtö konnte man während des Juli und August aufjeden Tag ein verbranntes Schloß, in der Dauphins binnen 14Tagen 72 verbrannte Schlösser zählen, und so ging es fast durchganz Frankreich. Die Vendöe und Bretagne ausgenommen, wotheils der Bauer ein wohlhabender Pächter, theils der Gutsherrein schlichter und wohlwollender Landjunker geblieben war, warganz Frankreich der Scbanplatz fürchterlicher Greuel. In der Nor-mandie begann ein entsetzliches Wüthen gegen Schuldige und Un-schuldige, im Süden kam zu dem alten Groll der Massen diewildere Natur des Temperaments hinzu, da kam es gleich auchzu Mord und Todtschlag, da wurden nicht nur Schlösser undKlöster sammt den verhaßten Urkunden in Brand gesteckt, auch dieBewohner, verhaßt und verdächtig oder nicht, wurden barbarischgemordet und die alte Staatsordnung, die in Paris wenigstenseinen Versuch der Gegenwehr gemacht, war außerhalb der Haupt-stadt vollkommen wehr- und widerstandslos zusammengebrochen,kein Gesetz und kein Amt galt mehr, kein Intendant und keinGouverneur und kein Gericht ließ sich auch nur vernehmen; dieehemals allmächtige Monarchie machte einen entsetzlichen Bankerott,und wenn die Nation nicht selber sich Autoritäten schuf, gab esderen überhaupt nicht mehr. Der letzte Anker für die nothdürs-tigste Sicherheit der Person und des Eigenthums war die Bil-dung von Natio nalgarde n nach Pariser Muster, die in ganzFrankreich alsbald überall entstanden, wo es überhaupt Dingegab, die einen bewaffneten Schutz verlohnten.

Während so die alten Gewalten vor ihren ehemaligen Un-terthanen flüchtig gingen, trat an die Nationalversammlung dieAufforderung zu einer rasch eingreifenden Initiative heran, an sieglaubte man noch, von ihr hoffte man Alles, aber es schien nicht,als ob die Nationalversammlung das Gebot des Augenblicks unddie Gunst ihrer eigenen Lage richtig verstanden hätte. Denn dienächsten vierzehn Tage gingen unter nichtigen Tagesgeschäften hin;die Nationalversammlung ließ sich überbürden mit Adressen, Er-klärungen und Abordnungen, es schien als habe sie nichts Ande-