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Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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Zweiter Abschnitt. K. 8 und 9.

Wenn jetzt nicht irgend eine feste Ordnung geschaffen ward,welche der Nation die neue Freiheit in soliden Formen überlie-ferte, dann war zu fürchten, daß die trübsten Ahnungen Mira-bean's sich bestätigten, wie sie sich denn in der That aufs Voll-kommenste bestätigt haben. Mirabeau hat sich mündlich undschriftlich unsägliche Mühe gegeben, dem König die Revolutionlieb und werth zu machen. Er sagte seinem Vertrauten: StellenSie doch dem König vor, wie Frankreich jetzt ist und wie es war.Fünfzehn Jahre hat er vergebens nach Reformen gerungen, diedie Nation in einer einzigen Nacht vollzogen hat. Das ist derKern der Revolution, sie war vergebens, ohne offenen ehrlichenAnschluß des Königs an diese Reformen. Ob ein Veto existirt, obeine oder zwei Kammern sind, das kümmert die Massen nicht,wohl aber Freiheit des Eigenthums, Freiheit der Arbeit, Freiheitder Gewissen, Gleichheit vor dem Gesetz.

Das waren in der That die fruchtbaren Ideen der Bewegung;wer sie rettete, der hatte die Nation, und das that später eingroßer Feldherr, den man begeistert auf den Schild erhob nichtwegen seiner Siege, sondern weil er dem Volke die unsterblichenGüter von 1789 sicher stellte.

Mirabeau steht jetzt auf einer schmalen Grenzlinie. Ausdem stürmenden Agitator und Tribunen entpuppt sich der Rath-geber einer im Sinken begriffenen Monarchie. Er hatte denThron bekämpft, als er noch Gnaden und Ehren zu verthei-len hatte, er stellte sich an seine Seite, als er nichts mehr ge-ben konnte. Er that es nicht um der Dynastie willen, der ernichts verdankte, sondern aus Vaterlandsliebe und in dem berech-tigten Ehrgeiz, die Stelle einzunehmen, zu der er den Berns insich fühlte.

Zwei wichtige Maßregeln, die unter Mirabcau's Einflußdurchgesetzt werden, erfolgen gleich in den ersten Tagen der Ueber-siedlnng nach Paris.

Die empörende Ermordung eines Bäckers -Franyois), demman vorgeworfen, sein Brod sei zu schlecht, erinnerte an die wun-deste Stelle der pariser Zustände. Das durfte nicht so weitergehen. Mirabeau verständigte sich mit Lafayette und ein Anfnchr-gesctz wurde durchgebracht, welches den Gemeinderath für die öf-fentliche Ordnung und Ruhe verantwortlich machte und berechtigte-