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Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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Zweiter Abschnitt. §. 8 und 9.

Wahrhafte Hilfe bot das Alles freilich erst dann, wenn ander Spitze des Staates eine wohlbegründete und gutgeleitete Re-gierungsgewalt stand. Mirabean hielt sich fähig, eine solche zubilden und soweit unsere Kenntniß der Persönlichkeiten reicht, dieFrankreich damals auszuweisen hatte, war er in der That derMann dazu wie kein Anderer.

Er besprach sich darüber mit Lafahette und Anderen, die nichtzu umgehen waren. Sie schienen nicht abgeneigt.

Der erste Schritt sollte sein, daß man die Minister veran-lassen wollte, in der Versammlung selbst zu sitzen und an der Ver-handlung, wenigstens berathend, Theil zu nehmen. In einem par-lamentarischen Staatswesen ist Nichts natürlicher als dies. DemWesen des Parlamentarismus widerspricht es durchaus, einen blei-benden Gegensatz zwischen Ministerium und Volksvertretung an-zunehmen. Die Regierung geht aus dem Parlament hervor, istgewissermaßen der von der Mehrheit abgeordnete Vollziehungsaus-schuß des Parlaments, darum sind in England von jeher die re-gierenden Minister nur die leitenden Parteichefs der National-Vertretung gewesen. Das waren den Franzosen von damals nochneue Dinge. Sie glaubten, Regierung und Volksvertretung seienGegensätze und das natürliche Verhältniß der letzteren zur ersterensei, wie man auch heute noch vielfach glaubt, ein „patriotischesMißtrauen." Noch unter uns gilt es Vielen als besondere Weis-heit, sich im Allgemeinen der Regierung als stolze Deckung dar-zubieten, aber gelegentlich ihr ein Bein zu stellen, um die eigeneUnabhängigkeit zu dokumentären. So wars vollends damals, woman sich stets im offenen oder stillen Kriegszustand gegen einan-der fühlte, die Regierung ihre Freude an jedem Fehlgriff der Ver-sammlung hatte und umgekehrt.

Daran sollte auch Mirabean scheitern.

Am 6. November trat er mit einer Rede auf, die sich in derHauptsache mit dem Nothstände der Pariser Bevölkerung und derFinanzen des Staates beschäftigte; für Beides schlug er die Bil-dung außerordentlicher Commissionen vor und schloß daran denAntrag behufs der Erleichterung des Zusammenwirkens zwischenMinistern und Nationalvertretung, den Ersteren eine bera-thende Stimme bei den Verhandlungen der Letzteren zugewähren.