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Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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207
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Das Verhältniß des Staats zur Kirche. 207

6) Der Bischof, wenn er bestätigt wird, hat keinen andern geist-lichen Eid zu leisten als den, daß er die katholische und aposto-lische Religion bekennt. Das stand mit andern Eiden, welchedie Geistlichkeit früher geleistet hatte, im Widerspruch und brachtedeßhalb ihr Gewissen in Verwirrung.

7> Der neue Bischof kann sich an den Papst in keinem Fallzum Zweck der Bestätigung wenden. Diesem durfte blos einfacheMittheilung gemacht werden, znm Zeichen der Einheit des Glau-bens und der Verbindung der Kirche.

Die Staatsgewalt nahm hier eine Grenzverletzung vor, dieihr sehr gefährlich werden konnte. Vielleicht war das französischeVolk doch viel katholischer und kirchlicher gesinnt, als die Männerder Nationalversammlung berechnet hatten. Der Jansenismnsund das Voltairethum mochte in weiten Kreisen verbreitet sein,die Masse hing an dem Glauben der Väter; das war die Gewaltder Kirche, hier hinein zu regieren, war ein unermeßlich gefähr-liches Experiment. Sollte die Freiheit doch einmal gelten, so mußtesie vollends hier gelten auf dem kostbaren Gebiete des Gewissens.Von allen Beschlüssen der Versammlung fand keiner den Widerspruch,den dieser gefunden hat; nicht weil die Geistlichen hetzten, was siegewiß nicht unterließen, sondern weil gewisse Empfindungen schwerverletzt waren, die eine besonnene Gesetzgebung nie verletzen wird.Die Versammlung ging zu weit, sie schuf sogar einen Verfas-snngs-Eid, der unendlichen Widerspruch hervorrief und schrittgegen die Geistlichen, die ihn weigerten, gewaltthätig ein: der Bür-gerkrieg war die Frucht davon. Ohne den Bruch zwischen beeidigtenund unbeeidigten Priestern, ohne das Schisma der katholischen Be-völkerung Frankreichs hätte man nie den Süden und Westen Frank-reichs so in Bewegung gebracht, wie das in der That geschehen ist.Die Bürgerkriege in der Vendüe namentlich wären nicht entstan-den. So strafte sich der Abfall von dem Prinzip der Freiheit.

Fm Großen und Ganzen die Bedeutung dieser Arbeiten zuschildern, bedarf es keines Wortes weiter; in ihnen lag vielleichtdie Zukunft eines Theils der Welt.

Schade nur, daß gerade in Frankreich selbst am wenigstenZeit gegeben war, diese Keime auszubilden.

Ueberall hatte man zu sehr die Fundamente der Staatsord-nung theils erschüttert vorgefunden, theils selbst in Auflösung ge-