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Dritter Abschnitt. §. 10. 11. 12.
Die Wagschale schwankte eine Weile hin und her.
Auf der einen Seite geschah Alles, um den König zum Ent-weichen nach der Grenze zu bestimmen, die Brüder, die Emigran-ten, der Rest des Hofadels arbeiteten unablässig darauf hin unddie geheimsten Neigungen des Königs stimmten damit zusammen,auf der andern Seite stand nur die schaukelnde Unschliissigkeit unddie immer schwächer werdende Hoffnung des Monarchen auf einenweniger gefahrvollen Ausweg.
Die Verwegenheit, sich dem Sturm trotzig entgegenzustellen,hatte er nicht, nur der Einfluß Mirabeau's vermochte ihn nochfestzuhalten; über dessen frischem Grabe kam der Gedanke zur Reife.So lange cer große Redner lebte, hatte Ludwig noch Aussicht aufeine mögliche Stütze, als er starb, fühlte er sich ganz preisge-geben.
Noch im Laufe des Monats April wurde der Plan ernstlicherals je wieder aufgenommen und wenn seine Verwirklichung sichgleichwohl bis in den Juni verzögerte, so waren nur die Schwie-rigkeiten der Ausführung schuld daran.
Die Folgen einer gelungenen oder mißlungenen Flucht hin-gen wesentlich ab von der Gestaltung der Lage Europa's und vonder Stellung, welche die alten Monarchien des Ostens zu der Sachedes in Ludwig bedrohten Königthums einnahmen. Auf sie müs-sen wir daher hier einen Blick werfen.
Die Revolution und das monarchische Ausland. DerUmschwung zu Reichenbach.*)
Als die Revolution in Frankreich ausbrach, war auch derNorden und Osten Europa's in einer heftigen Bewegung undGährung.
Revolutionär in französischem Sinne war sie nicht. Es hatlange gedauert, bis Staaten wie Oesterreich und Preußen nachjahrelangen unglücklichen Kriegen nicht der Revolution, sondernden siegreichen Feldherren und Heeren erlagen, die aus ihr her-vorgegangen sind.
Die Gefahr der Ideen von 1789 an sich hatte sie nicht er-
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*) Häusser: Deutsche Geschichte Bd. I.