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Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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Dritter Abschnitt. S. IN. 1>. 12.

über die Staatsorgane: Eine Kammer, die permanent ist und allezwei Jahre erneuert wird (une le^islaturel, Zahl, Wahlart,Wahlrecht. Die Bestimmungen über Königthum, Regentschaft,verantwortliche Minister, Art der Verhandlung zwischen König undVersammlung, Veto, Exekutive, Verwaltung, Gerichtswesen u. s. w.

Das ist das Gerippe der weltgeschichtlichen Verfassungsurkunde,deren große Grundzüge bis aus diese Stunde das politische Lebender meisten Culturvölker beherrscht haben.

Die ganze Verfassungsbewegung seit 1812 in Spanien undItalien, Deutschland, Belgien, ja selbst Central- und Südamerikafußt auf ihr; kaum ein bedeutender Satz in der politischen Ent-wicklung der letzten Jahrzehnte ist zu nennen, der hierin nicht ent-halten wäre; aus den Bahnen, die sie vorgezeichnet hat, ist dieWelt bis heute noch nicht herausgetreten und über die Forderun-gen, die sie den Völkern vorgelegt, ist man noch nicht hinaus-gegangen.

Aber freilich etwas ganz Anderes als die Fruchtbarkeit derin dieser Verfassung niedergelegten Ideen, war ihre Ausführ-barkeit für das vorhandene französische Volk.

Urtheilen wir hier nicht zu hart. Jene Zeit war eine, wie sie dieGeschichte kaum ähnlich auszuweisen hat. Eine Monarchie, wiesie die Welt vorher nicht gesehen, bricht mit betäubendem Geräuschso plötzlich zusammen, daß Alles sich entsetzt und auf diesen Trüm-mern, inmitten einer aufgelösten Ordnung, ohne Tradition, ohneOrgane, ohne Gesetz, ohne Gehorsam, ohne politische Schule imVolk und unter seinen Vertretern, sollte diese Versammlung einenneuen Staat errichten. Wahrlich, sie hätte größer sein können,als sie wirklich war, die Aufgabe war riesenhaft, überwältigendfür jede Versammlung. -

Den Stempel dieser außerordentlichen Zeit trägt das Werkan sich.

Es konnte nicht anders sein, die Verhandlungen wie die Be-schlüsse der Versammlung mußten stets den Charakter des Expe-rimentirens an sich tragen; wo Alles so unfertig und unvorbe-reitet war, konnte sich ein ebenmäßiges Werk nicht gestalten; dieVersammlung mußte mit Extremen ringen, die sich nicht versöhnenließen. So schwankte sie denn zwischen einem demokratischenWollen und einer Scheu vor der Monarchie hin und her und