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Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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Bierter Abschnitt. §. 13.

gläubigen, der Kirche bis zur Frömmelei ergebnen Vater in gleicheinSinne erzogen worden. Ludwig XVI. war fromm bis zumAberglauben. Das war die einzige Seite seines Wesens, wo ereine gewisse Selbständigkeit behauptete und die durfte man nichtherausfordern.

Nichts hat den König so sehr von der Revolution und derneuen Ordnung abgewendet, als das Bewußtsein, daß man seinemGewissen Gewalt anthun wollte. Der Mann, der das Abendmahlstets nur von einem unbeeidigten Priester nahm, kannte in dieserFrage keine Nachgiebigkeit.

Neben der Angelegenheit der Emigranten, auf die wir gleichnachher kommen, war das kirchliche Schisma der wichtigste Gegen-stand unter den ersten Berathungen der Legislative, und der einzige,über den in der Versammlung selbst die Stimmen getheilt waren.

Unter dem Eindruck der Priesterunruhen in der Vendee, inden Departements Mayenne und Loire, tritt im November nocheinmal die Frage an die Nation heran, ob man noch weiter gehenwolle, als man schon gegangen war, oder durch Nachgiebigkeit denbegangnen Fehler wieder gut zu machen geneigt sei. Das Letzterewar bei dem überwiegenden Geiste der Versammlung nicht zu er-warten, aber an Stimmen, die zur Schonung mahnten, fehlte esdoch auch nicht.

Unter stürmischem Beifall der Mehrheit des Hauses und derZuhörer auf den Gallerten hielt Jsnard am 14 . November inseiner heftigen regellosen aber gedankenvollen und genialen Weiseeine Rede, aus der wir einige Stellen entnehmen.

„Die Religion, sagt er, muß als eines der Werkzeuge be-trachtet werden, mit denen man weit größeren Schaden thun kann,als mit jedem andern, daher muß man auch gegen die, welche sichdesselben bedienen, mit doppelter Strenge verfahren; ebenso wieman den Brandstifter härter bestraft als den Dieb. Ich behaupte,daß es nur einen Weg gibt, der sicher aus Ziel führt: Verban-nung aus dem Königreich. Seht ihr nicht, daß dies das einzigeMittel ist. den Einfluß dieser geistlichen Ränkeschmiede zu brechen?Seht ihr nicht, daß man den Priester von dem Volk entfernenmuß, das er irre leitet? Und, wenn es mir gestattet ist, einentrivialen Ausdruck zu gebrauchen, so muß ich sagen, man mußdiese Aussätzigen in die Lazarethe von Rom und Italien verweisen.