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Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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271
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Die Beschlüsse gegen die Priester und die Emigranten. 271

mung zu steigern und andrerseits den Credit der Ordnung, fürderen Märtyrer sie gelten wollten, gründlich zu zerstören.

Sie entfalteten an den Rheinischen Höfen ihre gute Sitte,ihre Achtung vor Gesetz und Anstand, ihre Art von Bürgersinn inihrer ganzen Pracht, bis bald die Stimmung allgemein war: Sinddas die Männer des alten Frankreich? Jetzt begreifen wir dieRevolution. Die ganze liebenswürdige Aiderlichkeit, all die lockerenBübereien, die sie zu Hause in so tiefen Verruf gebracht, wurdenhier fortgesetzt, so daß selbst ihren fürstlichen Gönnern am Endeunheimlich zu Muthe wurde. Was sie außerdem noch trieben, istvon der jakobinischen Presse zu einem entsetzenerregenden Popanzausstaffirt worden: „Das Starren der Bajonnette, das Geräuschder Waffen ani Rhein" waren stehende Schlagwörter der Kriegs-partei, in der That aber handelte es sich um eine lächerliche Posse.

Ein Kreuzheer gegen die Revolution sollte ausgerüstet wer-den: man bildete Corps von 100 Plann nach dem Muster deralten Schweizerregimenter, und unter die Offiziere kam Keiner,der nicht 16 Ahnen zählte. Zwischen Emigrant nnd Emigrantmachte man einen großen Unterschied. Für voll wurde Keiner an-gesehen, der nicht gleich zu Anfang mit ausgerissen war. Werdas Unglück hatte, länger bei der Fahne ausgeharrt zu haben,galt schon für einen halben Jakobiner und als der brave ritter-liche Cazalös, der bis zuletzt bei seinem König ausgehalten, nachCoblenz kam, ging man ihm aus dem Wege, seine Gesinnungwar anrüchig.

Solche Soldatenspielerei war nur um so lächerlicher, mitje größerem Lärm sie betrieben wurde; von diesem Treiben dieGefahr eines Einbruchs zu besorgen, hatten die Franzosen keineUrsache. Aber dazu hatte allerdings Frankreich ein Recht, zu ver-langen, daß benachbarte Fürsten feindselige Demonstrationen anden Grenzen Frankreichs nicht duldeten, geschweige denn beförder-ten und unterstützten, wie der Trierer Kurfürst that.

Diese Vorgänge boten der Presse von Desmoulins nndMarat täglich neue Nahrung; jede der lächerlichen, pomphaften Er-klärungen, jeder der hoffährtigen Proteste, die von Coblenz aus kamen,diente ihren Zwecken, hielt die Aufregung wach und steigerte denHaß gegen den König, der immer tiefer in den Verdacht derMitschuld hineingezogen wurde.