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Fünfter Abschnitt. §. 18. 19.
Selbst die so große Verschiedenheit der Erscheinung und desCharakters Ludwigs XVI. von dem Karls I. vermochte diese Betrach-tung nicht zu stören, obgleich das entscheidend hätte ins Gewicht fallensollen. Karl I. konnte Haß und unter allen Umständen Furchterregen, Ludwig XVI. aber weder das Eine noch das Andere;seine ganze Vergangenheit war ein trostloses Bild unköniglicherSchwäche, nur Erbarmen und tiefstes Mitleid konnte er erwecken.Er war so tief entwürdigt, daß nichts mehr als der Märthrertodsein Ansehen heben konnte, und die Stunde kam, wo von 25Millionen 24 dieses rein menschliche. Erbarmen mit dem Schicksaldes Monarchen fühlten.
Die erste Kundgebung, welche unmittelbar auf einen Proceßdes Königs ausging, kam aus den Reihen der Gironde, die sichdiese Initiative nicht wollte nehmen lassen.
Am 6. November trat Valaze, der sich 4 Monate nachHinrichtung des Königs selbst das Leben nehmen sollte, mit einemersten Angriff gegen den König auf; er brachte einen langenschwülstigen Bericht, der in abgeschmackter Form und in bübischemTon Alles wieder aufwärmte, was längst in allen Zeitungen biszum Ekel wiedergekäut worden war. Sein; Anklageakte war einWisch, ein schlechter Journalartikel, weiter Nichts.
Von dem Stil dieses Berichtes nur eine Probe: „Wessen ister nicht schuldig? Ihr seht den Verbrecher mit der ganzen Mensch-heit im Handgemenge; ja ich klage ihn an als einen Korn-, Zucker-und Cafföwucherer!"
Wie Valaze sprachen die Gassendemagogen des gewöhnlichstenSchlages; eine Probe der Art, wie die besseren Köpfe über dierechtliche Schwierigkeit der Sache hinwegzukommen suchten, gab aniTage darauf Mailhe in seiner Rede.
Die erste Frage: „ist der König Achtbar für Vergehen, dieer auf dem konstitutionellen Thron begangen haben soll?" bedarfnach Ansicht des Redners unter Franzosen keiner Erörterung nochLösung; hier ist sie durch die große Mehrheit der Nation einfachbejaht; nur für die kleine Zahl Derer, die noch konstitutionelleGcwissenszweisel haben, für die fremden Nationen, die noch Königehaben und von den Franzosen lernen sollen, wie man mit ihnenumgeht, „für das All des Menschengeschlechtes, welches auf euchblickt, welches schwankt zwischen dem Drang und der Scheu, seine