504
Siebenter Abschnitt. 30. 31.
zwischen ihm und Preußen, und begnügte sich mit einem Stück derBeute, während es am liebsten Polen ungetheilt gelassen, d. h.ganz für sich genommen hätte.
Der zweite Feldzug hatte Anfangs großen Erfolg, Dumou-riez's Heer wurde geschlagen und zersprengt, Belgien zurückerobert,in demselben Augenblick, da Frankreich in tödtlicher Entzweiunglag, da 70 Departements sich gegen die Hauptstadt erklärt hatten.Der Weg nach Paris lag fast offen da, aber die Coalition bliebsich treu, sie schwenkte ab nach Dünkirchen, denn so wollte esEngland, das nicht ohne Beute bleiben wollte, während jeder deranderen Verbündeten bereits die seinige in Sicherheit hatte. Nichtsnatürlicher als dies bei einer Coalition, die lediglich auf Länder-gewinn ausging.
Der König von Preußen hatte erklärt, er werde den Kriegals Verbündeter mitmachen, sich den polnischen Preis im Westenzu verdienen, Mainz auf seine Kosten und mit seinen Truppenzurückerobern. Als das geschehen war, fragte man, was weiter?Im preußischen Hauptquartier war die Meinung: vorwärts! Essprach hier der alte Instinkt preußischer Heerführung, man dachtean Saarlouis, Landau, aber man wurde im Schach gehalten durchdie kurzsichtige Diplomatie der Lucchesini und Haugwitz, diemeinten, man solle abwarten, bis man seines Preises in Polenversichert sei, der Staat sei finanziell erschöpft und der Krieg, überden unerläßlichen Umfang hinaus fortgesetzt, könne Preußen Nichtseinbringen. Dieser Politik, die im Anfang nicht so böswillig undtreulos gewesen war, als sie später geworden ist, wo sie dann,zum Theil wider ihren Willen, nach Jena und Auerstädt geführthat, kam man in Testereich erstaunlich willig entgegen.
Am 27. März 1793 war hier ein Umschwung eingetreten.
Als jener Vertrag zwischen Preußen und Rußland in Sachender polnischen Theilung zu Stande gekommen, war man in Wienunruhig geworden. Die alte Eifersucht ward .wieder wach, deres widerstrebte, Preußen Vergrößerungen im Osten zu bewilligen;der Kaiser entließ sofort sein Ministerium des Auswärtigen undberief den Baron Franz Thugut*) an die Spitze. Das war einMann von Geist, von großer Geschäftsroutine, unerschöpflich in
- Hausier: deutsche Geschichte 1,-141 ff.