Politik und Kriegführung der Loalition 1793 1795. 51,5
Eabalen, aber ein Diplomat, der für Oesterreich und Deutschlandso verhängnißvoll geworden ist, wie das von wenigen Menschengesagt werden kann. Ihm fehlte jeder höhere politische Grundsatz,jeder große schöpferische Gedanke, sein Talent, seine Virtuosität ge-schmeidiger Routine diente vollendeter Principlosigkeit, darum ist seinWalten so ungemein verderblich geworden. In der Wahl der Mit-tel dachte er genau so, wie die Jakobiner in Frankreich. Das warwohl eine Frucht seines langen Aufenthaltes in Constantinopel,dieser Musterschule entsetzlicher Käuflichkeit und feiler Gewissenlosig-keit. Die Serail- und Palastpolitik, die hier herrschte, hat er indie europäische Diplomatie übertragen. Das wäre in jeder Lageein großes Verderben gewesen, vollends in dieser. Das Intrigie-ren machte ihm persönliches Vergnügen, er mischte oft die Karten,häufig nur, weil es ihm eine belustigende Unterhaltung war. Auchin Preußen waren ähnliche Männer am Ruder, nur zahmer undweniger frivol; sie hätten den Rastatter Gesandtenmord nicht orga-nisiren können, aber schwache, nur halb wollende Jntriguanten sindden Staaten unter Umständen ebenso verderblich, als energischeBösewichter. Dem einträchtigen Zusammenwirken solcher Kräfte hatDeutschland seine größte Schmach zu danken.
Thugut, ein armer Schiffmannssohn aus Linz, war darumins Ministerium gekommen, weil er die Politik der alten Rivalitätgegen Preußen und das bairisch-belgische Tauschprojekt als die lei-tende Idee seines Lebens betrachtete. Darum war die erste Folgeseines Eintritts die, daß Preußen bei seiner in Polen gehofftenEntschädigung auf unerwartete Hindernisse stieß und daß die Er-forschung dieser Hindernisse meist auf Umtriebe des Wiener Cabi-nets als Quelle zurückführte. Das zeigte sich bald deutlicher. AuchRußland ließ sich in ähnlichem Sinne durch seine Thaten verneh-men, hatte es doch kein Interesse, sich für Preußens Antheil anPolen übermäßig zu erhitzen. Die Russen rückten in Polen ein,zwangen jenen Schattenreichstag in Grodno ihre Vorschläge anzu-nehmen, nahmen die Theilung in ihrem Sinne vor und aufPreußen wurde dabei nicht geachtet.
Dieser Umstand erklärt den halben Willen Preußens, amRhcine anzugreifen, während im Osten die ganze Beute des Krie-ges alle Gefahren lief. Der König, in seiner ritterlichen Denkart,hatte gern etwas Entscheidendes gethan, aber da trat ihm der öfter-