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Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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550
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55V Achter Abschnitt. §. 37. 38.

der Hoffnung auf Freiheit, die Fürsten bei ihrer Furcht vor Re-volution fest.

Jetzt schließt er Vertrag auf Vertrag mit den geängsteten Für-sten (mit Modena 17. Mai, Neapel 5. Juni, dem Papst 23.),ungeheure Lieferungen an Geld, Pferden, Schlachtvieh, Lebensmit-teln und Kunstwerken dienen als Abschlagszahlungen für die Er-haltung der wankenden Throne. Nichts deutet auf die neue Frei-heit hin, wohl aber ist Alles vortrefflich berechnet, die Macht desSiegers über Staat und Heer zu begründen. Die leere Staats-kasse wird gefüllt, die Trophäen, Gemälde und Statuen schmeichelnder Eitelkeit der Nation, das Heer hat bisher gedarbt, jetzt lebt esim Ueberfluß und vergöttert seinen Helden. So waren noch keineSiege ausgebeutet worden, wie es hier geschah. Die Lombardeizahlte 25 Millionen, Modena 10 Millionen, Parma und Piacenza20 Millionen, der Papst 36 Millionen, Bologna und Ferrara3,700,000, Mantua 800,000, die Reichslehen 200,000, die eng-lischen Magazine 8 Millionen Livres.

Dem Direktorium in Paris wurde unheimlich bei solchen Er-folgen. Der unbegrenzte Einfluß, mit dem dieser Mann seineTruppen an sich knüpfte und im Ausland Fürsten und Völker sichzu Füßen legte, stach besorgnißerregend ab von der Noth einesRegiments, das sich mit Mühe der Parteien im Innern erwehrteund gegen die Militärmacht an den Grenzen ganz waffenlos war.

Man befürchtete schon damals, Bonaparte werde etwas mehrwerden als ein glücklicher General und hielt Vorsichtsmaßregelngegen seinen Ehrgeiz für nöthig. Noch im Sommer ward die Ab-sendung eines Commissärs beschlossen, der den geheimen Auftraghatte, Bonaparte zu beobachten und über ihn zu berichten. Ge-neral Clarke aber war einsichtig genug, um zu sehen, daß derGeneral eine größere Zukunft habe als das Direktorium in Paris,er gab sich ihm hin und alle seine Berichte gingen durch Bona-parte's Hände.

Aber der Krieg war noch nicht zu Ende. Der schwierigereTheil begann jetzt erst. Der Osten Italiens ist seit Jahrhunder-ten der Schauplatz des letzten, entscheidenden Kampfes um denBesitz der Halbinsel gewesen. Wohl ist die Lombardei zu Schlacht-feldern sehr geeignet, aber die Entscheidung wurde doch fast jederZeit an der Mincio- und Etschlinie erfochten und wiederholt ist es