Der italienische Feldzug t796—-1797.
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sten aller Guerillakriege bedroht. Das Direktorium hatte entwederkeine Mittel oder keine Lust, die Diversion am Rhein jetzt schonzu beginnen: von dieser Seite her war Bonaparte völlig isolirt;die schmählichen Intriguen, mit denen man die Regierung vonVenedig unterwühlt, hatten dort die Massen gegen die Franzosenaufgeregt, wenn ein Aufstand der erbitterten Italiener zu allenNachtheilen der Jsolirnng in Feindesland hinzukam, dann warBonaparte in einer höchst gefährlichen Lage.
In Oesterreich selbst rührte sich im Gegensatz zu der muth-losen Stimmung des Cabinets ein Geist kriegerischer Erhebung,der gut geleitet und planmäßig organisirt Großes leisten konnte;aber freilich, die Staatsknnst, die hier die Dinge leitete, sah insolcbcn Regungen eine größere Gefahr als in der Unterwerfungunter den schmählichsten Frieden. „Dem vordringenden Feindekann ich mit einer Provinz den Mund stopfen, aber das Volk be-waffnen, heißt den Thron umstürzen": dies Wort Colloredo'szeichnete genau die Art, wie man hier dachte, und auf diese Stim-mungen rechnete Napoleon, als sich rings um ihn her Alles im-mer verzweifelter gestaltete. Wie hoffnungslos er seine Lage vondieser Seite her ansah, das zeigen seine Briefe an das Direktoriumznr Genüge. Als keine andere Aussicht mehr war, entschloß ersich, es mit dem Feinde zu versuchen. Er schrieb am 31. Märzan den Erzherzog Earl einen wunderlichen Brief, der, wenn nichtauf den Erzherzog, so doch aus die Gefühle in der Hofburg wohlberechnet war: „Herr General," hieß es hier, „die tapferen Solda-ten führen Krieg und wünschen den Frieden. Dauert der Kriegnicht schon 5 Jahre? Haben wir nicht Leute genug getödtet undLeiden genug verhängt über die trauernde Menschheit? Sie erhebtEinspruch von allen Seiten. — Was mich angeht, Herr General,so würde ich, falls meine Eröffnung nur ein einziges Menschen-leben retten sollte, mit weit größerem Stolze auf die Bürgerkroneblicken, die ich verdient hätte, als auf den traurigen Glanz kriege-rischer Triumphe."
Das war die Einleitung zu den Unterhandlungen, die am18. April zu dem Waffenstillstand von Leoben geführt haben undbei denen Niemand eifriger mitgewirkt hat, als die Tochter MariaTheresia's, die Königin Caroline von Neapel, Anfangs die leiden-schaftlichste Feindin der Franzosen, jetzt ebenso leidenschaftlich für