562
Achter Abschnitt, tz. 37. 38.
Mit solchen Leuten aber fand sich Bonaparte meisterlich zu-recht. Ihn, wie nachher Haugwitz, hat er mit unübertrefflichemGeschick zu behandeln gewußt, indem er mit konsequenter Berech-nung bald Regen, bald Sonnenschein, bald den Sturm eines er-dichteten Zornes, bald das gewinnende Lächeln achtungsvollen Wohl-wollens aufzuspielen wußte. Cobenzl erreichte gar Nichts, und als erzögern und hinhalten wollte, da erfolgte jene drastische Scene, dere»Erfolg dem großen Mann so wohlthat, daß er sie noch aus St. He-lena mit unendlichem Behagen erzählte. In verstelltem Zornefuhr er den erschrockenen Diplomaten an, wenn Oesterreich Kriegstatt Frieden wolle, dann werde es binnen drei Monaten in tausendScherben liegen, und dabei warf er ein kostbares Service auf dieErde. Dann eilte er hinaus, wie er selbst sagt, kaum im Stande,das Lachen zu halten; die entsetzte Diplomatie aber flog ihm nachund schloß auf der Stelle ab.
Am 17. Oktober wurde auf dem Schloß Campo Formio derFriede unterzeichnet. Der Vertrag hatte öffentliche und geheimeBestimmungen.*)
Nach den ersteren verzichtete Oesterreich auf Belgien und dieLombardei und hieß gut, daß aus diesen und andern LandschaftenOberitaliens eine cisalpinische Republik gebildet werde. Der Herzogvon Modena sollte mit dem Breisgau entschädigt werden. Dafürerhielt Oesterreich Jstrien, Dalmatien und Venetien, sammt Stadtund Inseln, von dem Gardasee und der Etsch bis zu den Mün-dungen des Po. Auf einem Congreß zu Rastatt sollte der Reichs-frieden vermittelt werden.
In den geheimen Artikeln enthüllt sich dann das ganze neueStaatsrecht des Raubes und Länderschachers auf Kosten des harm-losen deutschen Reichs und des alten Rivalen Preußen. Daslinke Rhein ufer wurde nicht ohne Weiteres abgetreten, wohlaber preisgegeben und zwar so, daß Preußen die Enclaven, die esim Baseler Frieden gegen reiche Entschädigungen hatte abtretenwollen, behalten und keinerlei Erwerbungen machen sollte. Da-mit war Preußens Vergrößerungsplänen ein Riegel vorgeschobenund ihm im Westen ein Mühlstein an den Hals gehängt; verlores seine Besitzungen, wie wahrscheinlich, dann erhielt es auch keine
*) Das Genauere s. Hausier, deutsche Geschichte H, 1V6 ff.