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Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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Der Staatsstreich vom 18. Fructidvr.

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Entschädigung und das war die Hauptsache für Thugut. Für sei-nen weiteren Verzicht auf die Grafschaft Falkenstein und das Frick-thal erhielt Oesterreich noch die Zusage, daß Frankreich ihm zurErwerbung des Bisthums Salzburg und eines Stückes Bai er n(zwischen Tirol, Jnn und Salza) behilflich sein wollte. Das alteThugut'sche Gelüste auf Baiern war wieder wach und das ver-hängnißvolle Wort Säkularisation war vom Kaiser selber aus-gesprochen worden. Als nachher die Säcularisation zum Umsturzdes ganzen deutschen Kirchenstaates führte, trat Oesterreich auf dieSeite des in den Bisthümern gekränkten Rechts, zu dessen Ver-letzung es selber den ersten Anstoß gegeben.

Das Reich wurde zu einer großen Entschädigungsmasse erklärt,auf welche außer den deutschen Fürsten, die theils durch Oester-reich, theils durch Frankreich Verluste erlitten, auch noch dasmanische Haus den Zugriff haben sollte, und 20 Tage nach Aus-tausch der Ratifikationen mußten die Festungen Mainz, Ehren-brcitstein, Philippsburg, Mannheim, Königstein, Ulm, Jngolstadtvon den Kaiserlichen geräumt sein.

So hatte die erste Großmacht des deutschen Reichs, welcheam längsten gegen die Revolution ausgehalten, sich jetzt vollständigmit dem Staatsrecht des Umsturzes versöhnt und das Gebiet, dessenSchutze angeblich seine fünfjährigen Kriege gegolten, als eine euro-päische Beute preisgegeben und selber systematisch plündern helfen.In den Abmachungen aber, die Napoleon durchsetzte, traten jetztschon deutlich die Züge seiner künftigen Politik heraus: Rhein-grenze, Rheinbund, das Reich als Entschädigungsmasse, Preußenund Oesterreich als Gegengewichte, deren eines zur Aufreibung desandern dienen soll; das ist hier Alles bereits in der Anlage fertigund so die Bahn betreten, die Deutschland ein halbes Menschen-alter hindurch so unsäglich elend gemacht hat.

Wie Vortheilhaft der Friede gerade in diesem Augenblick fürFrankreich war, wie kein neuer Krieg selbst unter den günstigstenUmständen bessere Bedingungen hätte erwirken können, das ent-wickelt Bonaparte in einem längeren Schreiben an das Ministeriumdes Auswärtigen vom 18. Oktober, also dem Tage nach dem Frie-densschluß. *)

') ^Lorrespumlonoe äe Xspoleov I. vol. III,20.(

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