Bonaparte in Egypten 1798/99.
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er wollte der Welt zeigen, daß er nach dem Beispiel des Einemnatus nach erfochtenem Siege anch ein guter Bürger sein könne,und das, glaubte man, geschehe jetzt. In Rastatt aber war seineStelle nicht; er war gewohnt, diplomatische Knoten nicht mühseligzu entwirren, sondern einfach zu zerhauen. Bald sehnte er sichhinweg und nachdem er seine Obliegenheiten nothdürftig abgemacht,bat er sich einen Nachfolger aus und ging nach Paris. SeineAufnahme war dort ähnlich wie in Deutschland und der Schweiz.Das Direktorium bereitete ihm einen theatralischen Empfang mitschwülstigen Reden und brüderlichen Umarmungen, aufrichtiger warder Enthusiasmus des Publikums, das keine Augen mehr für dieverachteten republikanischen Gewalten hatte, den glücklichen Generalaber überall mit lautem Jubel begrüßte. Sehr Vortheilhaft fürihn war die kluge Haltung, die er dabei beobachtete. Mit einergewissen Absichtlichkcit, mit einer gesuchten Sprödigkeit entzog ersich den Huldigungen der Menge, er erschien selten bei öffentlichenGelegenheiten, schien lieber sich, als das Direktorium in Schattenstellen zu wollen; so ließ er sich vom-Direktorium förmlich nöthi-gen, bei dem Fest zur Feier des 2l. Januar zu erscheinen undthat es anch da nur als Mitglied des Instituts, was freilich nichthinderte, daß das Volk ihn aus der ganzen Masse allein auszeich-nete und das Direktorium gar nicht beachtete. Er wollte über-haupt hier nicht der General, sondern der schlichte Bürger sein,darum verkehrte er zumeist mit Gelehrten wie Monge, Laplace,Pronh, Lagrange, weniger mit Generalen und am wenigsten mitPolitikern. Dieser Umgang erhöhte seine Popularität und seinenRuhm und er wußte sehr gut, wie vorthcilhaft eben dies auf seineZukunft wirkte. Auf die Dauer ging das aber nicht. Zu einerRegierung zu stehen, die zu unterstützen nicht in seinem Plane lag,war seine Sache nicht. Er brauchte neue kolossale Unternehmungen,die ihm Generale und Heere dienstbar machten, die Phantasie sei-ner Nation reizten und ihren Enthusiasmus entflammten. Alsman ihm damals Glück wünschte zu den außerordentlichen Hul-digungen, sagte er: „In Paris behält man Nichts im Gedächtniß.Bleibe ich lange hier, ohne Etwas zu thun, so bin ich verloren.Eine Berühmtheit in diesem großen Babylon wird rasch durch eine-andere ersetzt unv hat man mich nur drei Mal auf der Bühnegesehen, so wird man nicht mehr nach mir blicken."
Häusser, französische Revolution.
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