Bonaparte i» Egypten 1798 99.
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Seit März wurde die Unternehmung mit riesenhafter Thätig-keit und im tiefsten Geheimniß vorbereitet: selbst der KriegsministerScherer wußte nicht, wohin die Truppen bestimmt waren, und imPublikum dachte man an eine Expedition nach Irland oder Portu-gal. Nur der Marineminister war eingeweiht, weil er es seinmußte, von der strengsten Geheimhaltung aber hing ab, ob dasUnternehmen überhaupt begonnen werden konnte; hatten die Eng-länder nur die leiseste Ahnung davon, so war es auch gleich imBeginn vereitelt.
In den Monaten März, April, Mai gingen die umfassendstenVorbereitungen ihren Gang. Was ein erfinderischer Kopf erdenkenkann von den großen Erfordernissen an Schiffen, Mannschaft,Material bis auf das Kleinste herunter, das Alles wurde mitwunderbarer Kunst und Sorgfalt zugerichtet. Bezeichnend für denMann war die Zusammenstellung der Feldbibliothek, die er mit-nahm. Außer den eigentlich militärischen Werken sind da unterGeschichte aufgezeichnet: Plutarch, Turenne, Condö, Villars,Voltaire's Carl Xll., Peter der Große und der Essay, Polybius,Justin, Arrian, Tacitus, Livius, Thukydides, Denina, Vertot undFriedrich II. Unter den Dichtern nehmen Ossian, Tasso, Ariokt,Homer, Bergil die erste Stelle ein, unter den Romanen sindHeloise und Werther verzeichnet. Am seltsamsten ist die RubrikPolitik ausgefüllt mit der Bibel, dem Koran, den Vedas, derMythologie und Montesquieu.
So glücklich bei Toulon die Einschiffung (19. Mai 1798)erfolgt war, die Ueberfahrt nach Malta und Egypten gelang nurdurch eine Reihe wunderbar glücklicher Zufälle. Das Gelingender Fahrt hing oft so sehr an einer Kleinigkeit, daß sich bei Bona-parte wie bei seinen Begleitern der Glaube festsetzte, es müsseein besonderer Stern über ihnen walten. Fortwährend vonden kreuzenden Engländern bedroht, die die geringste Kunde,der leiseste Verdacht sofort herbeiführen konnte, kam man nachMalta.
Der Johanniterorden war hier ähnlich verfallen wie in denallen Staaten Europa's. Die einst so stolze Ritterschaft wareine Versorgungsanstalt für jüngere Söhne des hohen Adels ge-worden, statt den Barbaresken zu wehren, hütete sie ein paarbaufällige Galeeren im Hafen und statt des alten kriegerischen