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Neunter Abschnitt. §. 4t. 42. 43.
Italien war verloren und die französische Nord armee an den Rheinzurückgeworfen.
Der imposanteste aller Kriege, die gegen die Republik gefährdworden sind, darf nicht nach dem possenhaften Anfang beurtheiltwerden, den er im Winter 1798 — 1799 in Neapel genom-men hat.
In Neapel, dem letzten monarchischen Staat der Halbinsel,der der Propaganda noch nicht erlegen war, konnte man den Los-bruch des allgemeinen Kriegs kaum erwarten. Die Todesangst vordem Uebergreifen der Revolution, die bereits an den Grenzen stand,der leidenschaftliche Haß der Königin Caroline, die ganz in denHänden der Engländer war, das ungestüme Drängen der mittel-mäßigen Intriganten, die den Hof beherrschten, die Schwierigkeit,das neu gebildete Heer zu unterhalten, das Alles wirkte zusammen,den Putsch vom Winter 1798 hervorzurufen, den man einen Kriegnicht nenne» kann. Man hatte dem rasch formirten neapolitani-schen Heere den österreichischen General Mack zum Feldherrn ge-geben, einen Mann, der unerschöpflich an Plänen und Entwürfenwar, aber im entscheidenden Augenblick stets den Kopf verlor. DieNeapolitaner hatten seit Jahrhunderten kein Heer und keinen Feld-herrn gehabt. Jetzt wurden sie nach österreichischem Muster orga-nisirt und exercirt, sie wurden gut österreichisch gedrillt, geschult,geprügelt, aber daraus wurde noch kein Heer. Mack brach auf,um die schlecht vertheilten französischen Aufstellungen durch einenraschen Ueberfall zu schlagen. Er kam glücklich bis nach Rom(29. Nov. 1798) und der König konnte die berühmte Proklamationerlassen, worin er vom Felsen des Capitals die Völker zur Freiheitrief, aber der Spuk war bald zu Ende. Die Franzosen hatten sichunter Championnet rasch auf einen Punkt zurückgezogen, von wosie im freien Felde gesammelt die undisciplinirten Haufen derNeapolitaner angreifen konnten. Kurz nach dem Einzug in Romkam es zu einer Reihe von Gefechten: die Neapolitaner wurdennicht geschlagen, sondern gejagt, alle Versuche Macks, die Fluchtauszuhalten, mißlangen, in Neapel standen die bewaffneten Lazza-roni gegen den Hof anst im Heere selber brach Meuterei aus, undder General, der aus solchen Truppen hatte Helden bilden sollen,ritt verzweifelnd ins feindliche Lager hinüber, um sein kostbaresLeben vor den eignen Leuten zu schützen.