Coalitionskrieg in Europa 1798 1799.
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Aus dem herrenlosen Neapel sollte jetzt eine Republik, dieparthenopäische, gebildet werden (Jan. 1799), die tüchtigstenKöpfe des Landes wirkten dazu mit, aber der Umschlag, der nach-her eintrat, hat bewiesen, was daran lebensfähig war. Die Fran-zosen besaßen jetzt die Halbinsel bis zur sicilischen Meerenge; dieSegnungen ihres Regiments machten sich hier ebenso fühlbar wieanderwärts, aber wie schlecht es auch sein mochte, schlechter als diecingeborne Regierung konnte es nicht sein.
Das war aber nur das Vorspiel des großen Kriegs, der Possefolgte das ernste Schauspiel nach.
Frankreich hatte nicht die Heere, um dieser großen Coalitionsogleich ebenbürtig gegenüberzutreten; Oesterreich war gut gerüstet,Rußland schickte seine besten Truppen unter seinen besten Feld-herrn, der Gedanke erschien nicht zu kühn, während man am Rheinnur abwehrte, Italien und die Schweiz zu erobern und so nachFrankreich einzudringen.
Der erste Akt des Krieges spielt sich seit 4. März im östlich-sten Theil der Schweiz, an der graubündtischen Grenze ab,wo man sonst den Krieg nicht gewohnt war. Am Vorderrhein,in den Gebieten rückwärts vorn Luciensteig, in den Thälern desEngadin, an den Zugängen der Vm maln, fanden die ersten Kämpfestatt. Auf beiden Seiten waren bedeutende Köpfe an der Spitze:auf französischer Massen«, Lecourbe und Dessolles, die bei-den letzteren Specialitäten für den Gebirgskrieg, auf österreichischerder Schweizer Hotze, ein ausgezeichneter Soldat, der mit Leibund Seele an der Sache der alten Schweizer Eidgenossenschafthing und bei dem sich all die vertriebenen Patricier befanden, diebei der helvetischen Republik verloren hatten.
Die ersten Gefechte fallen günstig für die Franzosen aus, aberdie beherrschende Stellung bei Feldkirch zunehmen, gelingt ihnennicht. Dadurch wird es den Oesterreichern möglich, nachher sieauch aus den übrigen Stellungen wieder hinauszutreiben.
Inzwischen beginnt der Krieg auch in Deutschland undItalien.
In Deutschland waren die Oesterreicher durch Führung undTruppenzahl überlegen, das 'Natürlichste wäre deßhalb für dieFranzosen gewesen, sich am Rhein zunächst vertheidigend zu ver-halten, und das war auch Jourdans Absicht, aber das Direktorium