Der Gesandtenmord zu Rastatt.
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unter dem Schutze des Völkerrechtes stehe. Das war deutlich ge-nug. Trotzdem kam von Frankreich noch immer keine Kriegs-erklärung, man wollte eben Krieg und Frieden gleicherweiseausbeuten. Während der Oberrhein bereits von Franzosen über-schwemmt war und die österreichischen Vorposten schon bis vordie Thore von Rastatt streiften, wurde dort noch über den Frie-den unterhandelt. Dank der Zerklüftung des deutschen Reichs blie-ben die meisten andern Gesandten an Ort und Stelle, jeder vonihnen wollte versuchen, ob es ihm nicht dennoch gelingen werde,um sein Gebiet eine spanische Wand zu ziehen, und die Franzosenblieben, um noch Sonderbündnisse im Süden anzuzetteln. Mittler-weile war der Erzherzog wieder bis zum Oberrhein vorgedrungen,die österreichischen Truppen standen dicht vor Rastatt; wenn sieeindrangen, die Stadt besetzten und die Gesandten mit dem Bayonnetauscinandertrieben, so war das nur in der Ordnung.
Wie die Dinge so sich drängten, wurde den französischen Ge-sandten unheimlich zu Muthe, sie wollten abreisen und verlangteneinen Geleitsbries <28. April); der wurde ihnen versagt und nurmündlich erklärte ihnen der Offizier, binnen der nächsten 24 Stun-den könnten sie mit Sicherheit reisen. Jetzt machten sie sich aufden Weg, fanden aber die Thore gesperrt, es dauerte ein paarStunden, bis das angebliche Mißverständniß aufgeklärt war unddie Thore geöffnet wurden.
Inzwischen war es Abend geworden und es erwachte derArgwohn, daß man absichtlich die Abreise bis in die ersten Nacht-stunden aufgehalten habe. Erst um 10 Uhr kamen die Gesandtenaus der Stadt. Einige hundert Schritte vor dem Thor fielenSzekler Husaren über die Wagen her, ließen die drei GesandtenJean Debry, Bonnier, Roberjot aussteigen, schlugen sie mit Säbel-hieben zu Boden und plünderten dann das Gepäck der Reisenden.Kurze Zeit darauf wußte man in Rastatt von der Mordthat unddie anderen Gesandten eilten hinaus: einer der drei Ueberfallenen,Jean Debry, hatte sich schwer verwundet gerettet, die beiden an-dern waren todt. Ueber den Hergang wurde das genaueste Pro-tokoll aufgenommen. Daß kaiserliche Husaren den Mord begangen,war zweifellos, ebenso daß die kaiserlichen Offiziere in der Stadtsich gegen die Gesandten auf eine höchst verdächtige Weise benom-men hatten; daß aber die Urheberschaft des Ueberfalls, der bloß