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Liederbuch des deutschen Volkes
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Xl. Scherz- und Schelmenlieder.

Lebe, bis du satt geküßt und des Trin-kens müde bist!

8. O, wie schön klingt das denOhren! Tod, du hast mich neu gebo-ren! Dieses Glas voll Rebensaft, Tod,auf gute Brüderschaft!

9. Ewig soll ich also leben! ewig,denn, bei'm Gott der Reben! ewigsoll mich Lieb' und Wein, ewig Weinund Lieb' erfreun.

Lessing. 1747.

«»1». Familiengemälde.

1. Mein Herr Maler, will er wohluns abkonterfeien? Mich den reichenBauer Troll und mein Weib Mareien;Michel, meinen allsten Sohn, meineTöchter kennt er schon, Greteln, Ur-seln, Trinen , haben hübsche Mienen.

S. Mal' er mir das ganze Dorfund die Kirche drinnen, Michel fährtein Fuder Torf, viele Weiber spinnen.Hart am Kirchhof liegt das Haus,wo wir gehen ein und aus, draufsteht renovaium , Jahreszahl undDatum.

3. In der Kirch' muß Sonntag sein,wir kommuniciren. Draußen pflügtmein Sohn am Rain mit vier starkenStieren. Wie am Werktag mal' er daund in voller Arbeit ja, meine Töch-ter alle, occupirt im Stalle.

4. Mal' er, wie mir Hans dasHeu auf den Heustall bringet undWach' auf mein Herz" dabei brum-mend vor sich singet. Auf dem Feld,von Waizen voll, muß mein Sohnstudiren, wie viel ich am Scheffelwohl könnte profitiren.

5. Mal' er mir, wie ich vor'mSchlaf nehme eine Prise, und mach'er, daß ich auch brav hinterdrein nochniese. In dem Stalle, höret es, wie-hert mein Kroater; meiner Frau fälltunterdeß von dem Schooß der Kater.

6. Bunte Farben lieb' ich, traun.'sonderlich das Rothe; mich mach' erein wenig braun, wie das Braun amBrote. Meinem Weib, vergesst er'snicht, mal' er ein kreid'weiß Gesicht,unsern beiden Rangen kirschenrotheWangen.

7. Spar' er ja die Farben nicht,Handhoch aufgetragen! Da er jetztzween Thaler kriegt, hat er nicht zuklagen. Das Gemälde kann ja klein,ungefähr zwölf Ellen sein. Bald hätt'ich's vergessen, er kann bei uns essen.

Balthasar A. Dunker.

1«L«. Romanze von den dreiSchneidern.

1. :,:Es seind einmal drei Schnei-der g'we'n, o je!:,: die haben 'nSchneck für'n Bär'n ang'sehn. O je,o je, o je!

2. Sie waren dessen voller Sorgen,und haben sich hinter den Zaum ver-borgen.

3. Und als sie seind zusammen kom-men, so hat ein jeder 's G'wehr ge-nommen.

4. Nadel, Pfriem und Ehlenstab,nichts geht als die Courage ab.

5. Der Erste sprach: Geh' du vor-an , der Andre sprach: Ich trau' mirnicht dran!

6. Der Dritte war wohl auch da-bei, der sprach: Er frißt uns alledrei!

7.Heraus mit dir, du Teufels-Biech, wenn du willt haben einenStich!"

8. Der Schneck, der streckt die Oh-ren heraus, die Schneider zittern, esist ein Graus!

9. Und als der Schneck das Hausbewegt, da hab'n die Schneider 'sGewehr abgelegt.

10. Der Schneck, der kroch zum