Geistliche Lieder.
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Allen Bäumen wachsen Blätter, Veil-chen senden süßen Duft.
2. Au des alten Domes Hallen hellund menschenreich der Pfad; frohe Bot-schaft hör' ich schallen, daß der Lie-beskönig naht.
3. Eilet, geht ihm doch entgegen,wandelt mit ihm Schritt vor Schrittauf den blutbesprengten Wegen in denGärten, wo er litt.
4. Habt ihr auch die Mähr ver-nommen, wie der Frühling mit ihmzieht, und im Herzen aller Frommensüßes Wunder schnell erblüht?
5. Kindlein stehn mit grünen Zwei-gen um den heiligen Altar, und dieEngel Gottes neigen sich herab zurKinderschaar.
6. Blüht empor, ihrHimmelsmaien!Palmen, blüht aus meiner Brust!Christi Wege zu bestreuen, der euchhegt in Lieb' und Lust.
Mar v. Schrnkendorf.
Schäfers Sonntagslied.
1. Das ist der Tag des Herrn!Ich bin allein auf weiter Flur, nochEine Morgenglocke nur; nun Stille nahund fern.
2. Anbetend knie' ich hier. O süßesGraun, geheimes Wehn! als knietenviele ungesehn und beteten mit mir.
3. Der Himmel, nah und fern, er
ist so klar und feierlich, so ganz alswollt' er öffnen sich. Das ist der Tagdes Herrn! Uhland.
Die Blutzeugen.
1. Löwen, laßt euch wieder findenwie im ersten Christenthum, die nichtskonnte überwinden! Seht nur an ihrMarterthum! wie in Lieb' sie glühen,wie sie Feuer sprühen, daß sich vorder Sterbenslust selbst der Satanfürchten mußt'.
2. In Gefahren unerschrocken undvon Lüsten unberührt, die auf's Eitlekonnten locken, warman damals, dieBegierd' ging nur nach dem Himmel;fern aus dem Getümmel war erhobendas Gemüth, achtete was zeitlich nit.
3. Ganz.großmüthig sie verlachten,was die Welt für Vortheil hält undwornach die meisten trachten, es möcht'sein Ehr', Wollust, Geld; Furcht warnicht in ihnen; auf die Kampfschau-bühnen sprangen sie mit Freudigkeit,hielten mit den Thieren Streit.
4. O daß ich, wie diese waren, michbefänd' auch in dem Stand! Laß michdoch im Grund erfahren dein' hüls-reiche, starke Hand, mein Gott, rechtlebendig! Gieb, daß ich beständig bisin Tod durch deine Kraft übe guteRitterschaft!
5. Ei wohlan, nur fein standhaftig,o ihr Brüder tapfer drauf! Lasset unsdoch recht herzhaftig folgen jener Zeu-gen Häuf! Nur den Leib berühret,was ihm so gebühret; er hat's Leidenwohl verdient, und die See!' darun-ter grünt.
Mindestens zu Anfange des 18 . Jahrh.
Des Sultans Töclitev-lein.
1. Der Sultan hatt' ein Töchter-lein, die war früh aufgestanden, wohlum zu pflücken die Blümelein in ih-res Vaters Garten.
2. Da sie die schönen Blümelein soglänzen sah im Thaue: wer mag derBlümlein Meister sein? gedachte dieJungfraue.
3. Es muß ein großer Meister sein,ein Herr von großen Werthen, der dadie schönen Blümelein läßr wachsenaus der Erden.
4. Ich hab' ihn tief im Herzen lieb,o dürft' ich ihn anschauen! Gern ließ