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XU. Geistliche Lieder.
ich meines Vaters Reich und wollt'sein Gärtlein bauen.
5. Da kam zu ihr um Mitternachtein Heller Mann gegangen: „Thu' auf,thu' aus, viel schöne Magd, mit Lieb'bin ich umfangen!"
6. Und schnell die Magd ihr Bett-lein ließ, zum Fenster thät sie gehen,sah Jesum, ihr viel schönes Lieb, soherrlich vor sich stehen.
7. Sie öffnet ihm voll Freudigkeit,sie neigt sich tief zur Erden, und botihm freundlich gute Zeit mit sittsamenGeberden.
8. ,„ Woher, woher, o Jünglingschön? in meines Vaters Reichen magkeiner dir zur Seite gehn, sich keinerdir vergleichend"
9. „Viel schöne Magd, du dachtestmein, um dich bin ich gekommen ausmeines Vaters Königreich, ich bin derMeister der Blumen//
10. ,„O Herr, o Herr, wie weit,wie weit ist's zu des Vaters Garten?dort möcht' ich wohl in Ewigkeit derschönen Blumen warten///
11. „Mein Garten liegt in Ewig-keit und noch viel tausend Meilen, dawill ich dir zum Brautgeschmeid einKränzlein roth ertheilen//
12. Da nahm er von dem Fingersein ein'n Ring von Sonnengolde, undfragt', ob Sultans Töchterlein seinBräutlein werden wollte?
13. Und da sie ihm die Liebe bot,sein'Wunden sich ergossen. ,„O Lieb,wie ist dein Herz so roth, dein' Händetragen Rosen///
14. „Mein Herz, das ist um dichso roth, für dich trag' ich die Rosen,ich brach sie dir im Liebestod, als ichmein Blut vergossen//
15. „Mein Vater ruft, nun schürz'dich, Braut, ich hab' dich längst er-
fochten// Sie hat auf Jesu Lieb' ver-traut, ihr Kränzlein war geflochten.
Aus des Knaben Wunderhorn.
Sicilianisckes Schiffer-lied.
0 8gnoti88iinL! o pÜ88ima! Ouloi»viogo Klui'in! mator »mala, inteme-rata, vra, v?» pro nobi8 !
Aus Herders Volksliedern.
LLO». Das St. Hubertuslied.
1. Im grünen Wald bin ich gewe-sen, sah ich es ein Hkrschelein stehn;das Hirschlein, das wollt' ich erschie-ßen, o Wunder, was hab' .ich gesehn !
2. Es thut mir die Flinte versagen,ein Kreuz thut das Hirschclein tragen,stolzirend auf seinem Gewicht; dieGnade zum Sünder wohl spricht.
3. Da thät ich zur Erden hinsinkenwohl auf meine bogene Knie; thätmir es entgegen blinken, ein silbernesKreuzlein schneeweiß.
4. Jetzt thu' ich kein Hirschlein mehrschießen, will lieber in's Kloster michschließen; dem grünen Wald sag' ich:Gut' Nacht! die Gnade hat alles ge-macht.
Aus des Knaben Wunderhorn.
Kriegslied des Glau-bens.
1. Ein' feste Burg ist unser Gott,ein' gute Wehr und Waffen, er hilftuns frei aus aller Noth, die uns itzthat betroffen. Der alt' böse Feind mitErnst er's itzt meint, groß Macht undviel List sein grausam Rüstung ist.Auf Erd' ist nicht sekn's Gleichen.
2. Mit unser Macht ist nichts ge-than, wir sind gar bald verloren, esstreit't für uns der rechte Mann, denGott hat selbs erkoren. Fragst du,wer der ist? Er heißt Jesus Christ,