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Unpartheyische Kirchen-Historie Alten und Neuen Testaments ... / [Johann Georg Heinsius]
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Kirchen-Historie Neues Testamentes

Welt nicht nach dem Leibe, sondern nach dem ausserli-chen Umgänge r das ist, sie entzogen sich böser Gesell-fchaffr und den weltlichen Lüsten-r)

Si« wüsten,daß sie von GOtt zu bessern Zeiten undzu einer andern Welk aufgehoben würden. Daheroschwummen sie als in einem wilden Meer unter denWellen und Stürmen der Welt Herum, und wiechendem Ungestüme, was sie konten- Wobey diß ihre Sor.ge war,wie ihre Seelen unüberwindliches in einer Ve-stung bleiben, und sie keine Sünde und Bosheit decWeltmehr durchdringen und einnehmen möchten ;)

Einige bekannten, daß sie durch das im Hertzen gesche

Es gab in den Gemeinen viel keusche und heilige Leu-te,die von der Liebe GOtkes also entzündet waren, daßsie in der höchsten Enthaltung und unglaublicher Ver-schmähung dieser Welt gerne einsam lehrten. l>) Ia,eSwaren Mann und Weib offt bereitwillig beyderseits dieEnthaltung GOtt zu wiedmen,und dir Lust desto kräff-tiger zu überwinden, ie heiliger sie das Band ihrer Liebeverknüpffete» c) Es muste aber dergleichen Vorhabenmit beyderseits völliger Übereinstimmung ins Werckgefttzet werden. <l)

Sonst suchten sie die Keuschheit nicht bloß in der Rei-^ nigung des Leibes, sondern vielmehr in der unbefleckten

ene Eingeben GOtteö zur Vcrschmähung der Weit Jungfrauschafft des Gemüthes; *) und blieben ohneewogen wären worden. Es hätte sich ein Verlangen Stoltz , ob sie schon die G>cbe der Enrhalrnng hat-

der Seeligkei't in ihncngeregck,welches mikder Begierde, GOtt allein zu folgen, und seinen Gebothen anzuhan-gen, begleitet gewesen wäre. Manche hatten andererEjrcmpcl und Vermahnungen darzu entzündet; undwiederum andere musten durch viel Trübsalen und Ver-lust des Zeitlichen dazu gedrungen werben, daß sie mitVerleugnung der eireln Dinge zu öem HErrn eileten,dem sie in guten Tagen nicht hatten folgen wollen.:)

XXX

Wie zeigcte sich die Mäßigkeit der Christen?

Sie unterhielten den hinfälligen Leib mit Essen undTnnckcn, solange bis GOtt die Speise und denBauckHinrichtete. Solche Nothdurfft war ihnen zwar ange-nehm, doch kämpffeteu sie wieder dieselbe, dainit sie nichtdariune gefangen würden. Sie führeten durch FastenKrieg, und brachten also den Leib zum Gehorsam- DieTnmckeuhrik aber war ferne von ihnen ; ^ denn ste hi»ltm ihren Wlund durch eine gemäßigte Enthaltung undZuckt im Zaume, x)

Sie fasteten zwar fleißig , doch konte über der Artdes Fastens keine durchgängige Regul wahrgenommenwerden, angesehen nicht alle von einerley Stärcke sind,und diese goktfteligc Übung nickt wie andere von demGeist allein g schchen, sondern nach des Leibes Vermö-gen eingerichtet werden müssen. Dahero fastete mannach Beschaffenheit des Alters, Geschlechts, der Leibes-Gcsundh it,und anderer Umstände, y)

habe zwar das Fast n geliebet,aberauch das Essen nichtausgeschlagen. I .nes habe er zur gewöhnlichen Crewtzigung feines Fl isches in acht genommen , dieses aberandern zu Liebe gethan. Beydes wäre mit dergröffestenklnäerslion von ihn, geschehen, indem er feinen ^ppelirim Zaum gehalten,we»n ergespeiftt,nnd alleRuhmrä-thigkeit vermieden, wenn er sich enthalten, r)

Inr übrigen erkannte man, daß wegen des Fastenskein Befehl des HLrrn e dec der Apostel vorhanden sey,an welchem Tage es geschehen solle, s)

XXX s.

Wie zeigte sich die Keuschheit der Christen ?

r) <Ittk,r808K)^V8 knm. 2 ^. vpcr. i«perf. in dt,lrk.,) LVHV8 .«ikumo lid. 4- r) c^88I^d1V8 collsr. Z4. u) >Vl-V81'INV8 conf-ts. lid. to. c. zr. x) Ibi-i>»m. 7 ) < 7 ^ 88 I^dIV 8 mtiir»:- iid. 5 . c-p. 5 . r) §MO-4 eiV 8 lid. 7 . c»j>. 6 . ») LVLV 8 HdiV 8 exik. » 6 - ,ä LL-

ten. Denn außer solcher Demuth war dabey einedemüthige Ehe einer stoltzen Iungferschafft allezeit vor-zuziehen. e)

Die Comödien und andere Üppigkeiten wurden vonden reäitschaffenen vor Tcuffels-Werck gehalten, wie-wohl die verdorbenen Christen nun schon so viel ausser«gleichen Eitelkeiten hielten , daß sie sich höchlich überbiejenigm beschwerecen, welche ihnen solche nicht ver-statten wölken, und sie als Feinde der Lustbarkeit und d«Sgemeinen Wesens ausschrieu. 5)

XXXII.

Was ist von dem Verfall des Christen-thums in diesem 8ecu1ozu bemerckcn?

Nachdem sich das Christenthum der äußern Bekänt-niß nach immer ausbreitete, so nahm der wahrhaffke in-wendige Glaube ab, Die Kinder vermehrcten sich,dirMutter aber lag kranck darnieder, und die Kirche warddurch ihren Wachsthum und Fruchtbarkeit immerschwächer, g) Glieder des heiligen Nahmens fanden sichan allen Orten derWclt, aber nichtdie Krafft der Reit-gion. Die Gemeinen waren an der Menge reiche r/»beran derAridacht ärmer- b)

Man bckennete zwar den Christen-Nahmen , dieKrafft aber solches Bekänntniffes wüste und envießman nicht. Der grösseste Haussen war unwissend , inden» wahren Gottesdienst abergläubisch, oder ihrerBosheit als» ergeben, daß sie vergessen hatten , was sie

Von dein Bisch esse berichtet man, er versprochen. Viele betheten Gräber und Bilder an:

andere soffen bey den Graben« aufdas allergräulichsie.K) Die Gemeine,welche in aklen Dingen GOtt gefallensolke, that nichts mehr, als daß sie GOtt erbitterte. DerHaussen der Christen war ein stinckender Pfuhl der La-ster. Man fand unzähliche Laster der Trunckenbolde,Räuber und Mörder. Fast der gantze Hausse in derGemeine war in ein solch schändlich Leben gerathen,daß eö bey dem Christen-Volck schon eine Art der Hei-ligkeit war,wcnn einer in wenigen Sünden lebetc. >)Man versänmete wohl über den hcydnischcn Schau-spielen den Gottesdienst, k) Oder wenn man den öf«

fent-

d) iaem mor. ecct. c. ;o. «) Iiieo, ep. 45. 6) lä-mep. 499. *) LVHV8 li!,. sck tor«r. kktOLkLK epixr. 86.

e) ^VOVSI'Idl in ps. ytz. k) lciew 6e ciair. vri 1>i>. 2. csp.Sv.x) 8^I.VI^I^V8 ki- surrit. üb. l. k) LVOV8Hd?. 6« mor ecck.c.Zl. >) 8Äl.V!äNV8 x^er«. vei tit». z. X) I«Zcm