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Unpartheyische Kirchen-Historie Alten und Neuen Testaments ... / [Johann Georg Heinsius]
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Kirchen«Historie Neues Testamentes

der grössten Finsterniß aufgieng, so wenig ward GOttvor solche Gnade von den allermeisten gcdancket. DasPabstthnm,welches bisher wegen der abscheulichen Blind-heit noch einiger mästen zu entschuldigen gewesen war/waffnetc steh nun mit erner llechsr^cen Bosheit gegendie offcnbahre Wahrheit/ wodurch eö sich vollends als denIvahrhafftcn Antichrist darstellcte.

Aber auch diejenigen, welche dem Evangelio Beyfallgaben, erbitterten GOtt gar bald, da sie die heilsame Leh-re auf Muthwillen wandten, sich bey ihren Sünden derGnade GOttes trösteten, und durch ihr heßliches Zan-cken, Sectiren und Schwärmen die Krasft der Wahr-heit unterdrückten.

Drum fand man überall gar wenig erbauliche Exem-pel, und GOtt ließ hier und da sein Rach-Schwerdt überdie Undanckbarkcit der Völcker wacker seyn, daß man fastalle Länder von Europa in ihrem Blute schwimmen sahe.

Ausser diesem zeigte sich der Zorn GOttes durch un-gewöhnliche PcstilentzialischeKranckheitcn. DcrEngli-sck-e Schweiß räumete viel Leute auf, sonderlich aberdiejenigen, so sich in ihren besten Jahren befanden, g)Die Pest nahm 1502. in Deutschland viel 1000. dahin.Dergleichen geschach 1552. 1585. 159;. und 1597. ^

Absonderlich wurden an gar vielen Orten erschrecklicheErdbeben gespürct. Anno 15 zi. ward fast gantz Por-rugall erschüttert. Zu Lissabon sielen über anderthalbtausend Häuser in einander. An einigen Orten öffnetesich die Erde, und ließ gifftige Dämpfst auSflicgen. Beyrurrolo in Italien hatten die Erdschütterungen zwey Jahrlang bis i5Z8. viel Schaden gethan. Endlich sicng dieErde an in der Forme eines Berges aufzuschwellen, undmit grossem Krachen zu zerbersten, da denn Flammen,Sterne und Asche heraus fuhren und der Gegend ein gros-ses Elend anrichteten. In der Schweitz wurden 1584.einige Dörffer mit den zerspaltenen Felsen bedecket. DieÜberschwemmungen in den Niederlanden und andereZorn-Zeichen GOttes sind bey den Scribenten häuffig zubefinden, H ^

Was hat man von Verfolgungen in diesem8ecu1o zu mercken?

Man darff nicht lange fragen, wer die Urheber derVerfolgungen in diesen Zeiten gewesen? Denn, da wirdjedweder, der die Wahrheit nur ein wenig einstehet, garbald antworten, daß es der Teufel und sein Cameradder Antichrist gewesen. Denn alles Wüten und Tobender Welt gegen die Bekenner der Wahrheit geschiehetund erbebet steh allein um Christi willen, derselbige ist al-lein die Ursach, daß sie die Welt, oder den Antichrist undden Teufel zu einem ungnädigeir Herrn Haben, r)

Üm aber von den Antichristischen Verfolgungen indiesem 8 -cu!o nur kürtzlich noch etwas zu gedmcken,weilsonst die gantze Geschichte schon hin und wieder Nach-richt davon giebck, so war das Ziel derselben zuvorderstder liebe bVMMV 8 > welchen man heimlich und öffent-lich, durch Gisst und aufandcre Weise, auf die Seite zu

schassen suchte, wie aus der Historie und lmrberi Schriffften zur Gnüge zn erkennen, und da man damit nicht-schaffen konte, weil ihn die ?rovillenr GOttes augenschein-lich beschützcte, so ließ man es an Verstuchen, Verbannenund Lästern nicht fehlen, worüber er doch dem Pabst undTeufel zu Trutz allemahl einen guten Muth zu haben pfleg-te, davon hier zu weitläufftig ist, ausführlicher zu ge-dencken.

Die allerersten Lutherischen Märtyrer waren 2. Augu-stiner zu Brüssel, Nahmens Heinrich Voes und Jo-hann Eiche, welche r^z. den i. luli, verbrannt wor-den. Sie jungen luy dem Feuer einer um den andern rHErr GDrc dich lobe»', wir, und mitten im Feuersagte der eine: Es düncke ihm, als ob man ihm Ro-sen unrerstreue. u)

Die Niederlande, da die Spanische IriguilmonsGrausamkeit tyranm'sirete, sind fast der grösseste Schau-Platz der Märtyrer gewesen, indem nach und nach über50000. Menschen wegen des Evangclii durch den Hcn-cker umgekommen, davon die besondern Umstände Hieranzuführen unmöglich ist. Sonderlich hat der bekannteHeryog von 4l.8ä, da er von 1567. bis 157z. Gouver-neur gewesen, gantz unmenschlich gewüthet, in welcherZeit er über 18020. Menschen durch den Hcncker hin-richten lassen, darunter aber doch auch viel StaatS-Mär«tyrer gewesen, x)

In Bayern ward 1527. Lesnhard Räyfer zuScherdingen auf Anstifftcn des Äischossö von Passau denFlammen übergeben, und ruffte im Feuer: HErrIE-sir ich bin der»:, erhalte mich.)'-

wolffgang Schlich, der 1525. in Lothringenpredigte, muste gleichfalls das Feuer schmecken, und sag-te, da er auf den Scheiter-Hanffen stieg: Ilch freuemich, daß mir gcredt ist, daß wir werden in dasHaus des HErrn gehen, r)

In Frankreich war ein sonderlich berühmter Mär-tyrer 6M6lV8, ein trefflicher Jurist und Kö-

niglichcr Rath, welcher Anno 1559. darum verbranntward, weil er im Parlament gesagt hatte: Es wärenicht ein geringes, diejenigen zu verdammen, wel-che auch inr Feuer den Nahmen IEsir anruff-ren. Er hielt vor feinem Tode eine herrliche Rede, wor-aus sein fester Glaube und seiner Seelen Freudigkeit zurGnüge erkannt werden konte. a) Mehrere Exempel,daraus die Hefftigkeit der Verfolgungen und die Stand-hafftigkeit der Märtyrer zu erkenne»», sind schon Hin undwieder angeführet worden.

Das VI. Capitel.

Von dem innerlichen Zustande derKirchen.

i.

Was wird in diesem Capitel vorkommen ?

Zweyer-

-ss Vi«1. k-i-ülipom. VK8kLK6L«8IL p. 47Z. Mä8NV8 inepift. Üb. 26. ep. 56. r) LVe»Ob2MV8 in inü. Lbronol.«) I6«m ibi^. conf. ttO-riirtL»KUV8 in tt.L t-c. l6. k.Z. p.2. tcgq. r) Tom. 5. wlcenb. pll 45.

u) lom. 2 . /lltenb. p. 552- l.VtljkltV 8 epiN. ?. 2 . p. 152.seqc,. x) 1 -UV. 5 NV 8 üb. 4z. 64.tlec. l. Üb. 7.wM^rrv8 Üb. z. conf. crcocn und Rubens Märtyrer»Bücher, y) 1-om. z./lüenb. p. 780. Ibc^. r) LLL^inlcon.k>. z§. LCVbrL-rvs. -) ruvwdtvs üb. 28 .