§ 4 ^
Kirchen-Histor« Neues Testamentes.
GOttes stets gleichförmiger an Weisheit, Heiligkeit,Freude und Wohlgefallen. Doch blieb es nur ein ange-fangen Merck um der Hinkerstelligen Sünde willen, undein unvollkommenes Bild, konke auch wieder verrücktwerden. Denn man trug den Schatz dieses Bildes ingebrechlichen und irrdischen Gefäffön, darinnen noch vielSünde, Unart, böse Lust, Zuneigung, viel Fehl und Ge-brechligkcit täglich gcfühtttward.
In Erkännmiß solcher Schwachheiten betheten undscuffzeten sie: Acy GDtt, es ist nichts gucs an nrir,und in meinem Heryen. Ich bin nichts, dein; ei-tel Sünde vor deinen Augen. Mein altes Hernkait deute Gnade und Huld nicht annehmen.Drum, lieber GDrc, sey mir gnädig »räch deinergrossin Güte, welche leuchtet in deines Sohnesvölugem Mpster, und schlag das alte Bild in Haustfern und jetze es in deine Schmcltz-Tiegehund schas-se und g- uß gar ein neu Hertz m mein inwendiges.Versichere und vergewissere mich auch mit deinemH. Geisr, daß ich deine gnädige Gute mit recht-scharscncn Hertzei: annehnie, und bey dieser seeligenErl ännrn iß beständig bleibe. Drucke in mein ausgc öbner Hertz deines Sohnes Bild durch denH.Geist,daß ich hier im Glauben und Hoffnung, unddorr in der Wahrheit deinemWrllen gleichförmigwerde, g) ^
Da nun die Seelen also zu täglicher Erneuerungkämpfften, so spiegelte sich auch schon hier in dieser Gna-dcn-Zeit das Bild der herrlichen Klarheit ie Heller undHeller, wenn sievom Geiste, ihrem GOttund HErrn durchdie Klarheit des gepredigten Evangelii in des Herrn Klar-heit verkläret wurden, und GOtteS Liebe und Willen imWort der Versöhnung erkannten und ergriffen, dadurchChristus und sein Bild von Tage zu Tage, aus einerKlarheit in die andere, in ihnen formirct und angerich-tet ward durch den Geist, welcher ist der Herr, der beydem Worte kräfftig ist, und durchs Wort, welches mitGlauben gefaffet, neu Licht und Leben in ihre Hertzensprach, und die neue Gerechtigkeit und himmlische Freu-de in ihnen pflantzte. r-
Damit sie aber in solchem Erneuerungs-Wcrcke nichtabnehmen und zurücke gehen möchten, so wurden sie nichtfaul und träge, oder prahleten nur mit dem Glauben,sondern arbeiteten mit allen Kräfften als die Kampffer,daß sie vor sich und zum Ziele kommen möchten. Unddieses war ihre Vollkommenheit, daß sie, nachdem sie durchden Glauben gerechtfertiget worden, mit reiner Begier-de und allen Kräfften dahin trachteten, daß ihr Leben beyeinem gesunden Glauben GOtt in der Geduld und Liebegefallen möge.-) ^
Wie war der Glaube beschaffen?
Der Glaube war nichts anders, denn Wahrheit indem Hertzen, das ist, daß das Hertz von GOtt nicht an-ders dachte noch dielt, denn wie in der Wahrheit von ihmzu dencken und zu Halten ist. Alsdann aber hatte man
q> 10. öi^'l'lirsiVL in der Berg-Pvstille oder167. >66. r) I6em Ibiäem. p. 192 s) keiL->r.aV8 NLka-Ici R6IV8 c^ommentsri» in - pistolsm Lcl rkilippeick« A gtti-äem C»k».Hl. reck. 12. lZ. v^üreberßse 1564. 8-
von GOtt rechte Gedancken, wenn man seinem Worteglaubete. r) Doch war solcher Glaub, nicht ein fauler,loser Gedancke, sondern eine lebendige, ernstliche, tröstli-che und ungezweistlte Zuversicht des Hertzens, dadurchdiejenigen, so ihn Hatten, mit Christo und durch ihn mitdein Vater ein Ding waren, daß, sowenig ChristuövomVater gctrennet oder gesondert werden kan, so wenig moch-te ein Chnsten-Glied von ihm getheilt werden. HSobald nun ein solch hertzlich Vertraue» und Freu-digkeit im Hertz-ngcwürck.c war, so b.kanrrn d.r Mmw,und folgere die Liebe und ein mu.S Leben, Bethen undGOtt loben, sich danckbar und ehrerbietig g-gcn die Leh-rer erzeigen, iederman mit willferrjg.n Hertz n dienen,aufhören zu sündigen, böse Lust dämpffcn, und in Gelulltleiden, was GOtt auficgete. x)
Christus wohnete dllrch den Glauben in ihren Hertzen,und zwar durch einen solchen Glauben, der nicht etwa nureinige Wiffenschafft von Christo harte, sonder!» der in ei-ner rechten Bewegung und Bcgierligku't des HcrtzeyS,und in einem solchen festen Vertrauen auf Christum be-stund, daß man auch gegen die Pforten der Hölle« damitbestehen tonte. Eines solchen Glaubens gantz eigene undunzertrennliche Würckung war die Liebe, welche einenrechten Grund und tieffc Wurtzeln Hatte, daß nicht durcheine iedwcde geringe Ursache beweget und vernichrigetwerden konte. y)
Im Schrecken des Gewissens verließ sich ihr Glaubegetrost auf GOttes Zusage, daß er um Christi Willengnädig seyn wolle, r) In Trübsal und Unglücke, wenndas Hertz zappelte, vertrauere er dein Worte, daß GOttkönne und wolle helffen. In solchem Zustande sagte man:Ich Habe einen GOtt, der mir zugesaget hat, er wolle michnicht verlasse«. Da ist sein Wort, er wolle mich erret-ten und beym Leben erhalten. 0 )
Der Glaube, sagt l.VMH-KV8, ist ein rechtes Mi-rackcl, der machet in einem Menschen, der sonst ei-ne schwache arme Lrcarur ist, einen solchen grossenMuch, daß er dadurch also stoly wird, daß er sa-gen kan; So alle Teufe! aus mich fielen, sa, alleAonige, Aayscr, Himmel und Erden wider michwären, dennoch glaube ich und weiß, daß ich wer-de erhalten werde»Der Glaube ist ein groß Ding;man kan seine Macht, Tcrastr, Srarcke und Ge-walt nimmermehr gnug verstehen. k>)
Ein anderer H drücket die Beschaffenheit des Glau-bens gar artig mit einem solchen Gleichniß aus: UnserGlaube ist ein Banderfingerlein, das Wort ist dieRraffr lind starcke H>and GGrrcs. wenn nununser schwacher Finger die srarcke Hand GGrresergreifst, so gängelt uns GDrc in siincr Hand, undwir lausten m fremder Tärastc an GMccesHand,welche unserm schwachen Finger Trrastrund^ Stär-
r) I-vrnLirvs in der Auslegung der Epistel an die Galaker^ow. 6. ^Irenb. P.671. u) läem in derAuSlegiing des XVll.Capitels laksnnis I'om. 6. ?lcenl>. p. 2;; x) icierr'r^ns.I. c. s>. >97. kllL. kommencsr. in Lpist.
sä Lpbelios N. r eilir. vt'ikreb. 8- O la«- 5./»Irenb.
p. ;4- ») l^m. z. wlrenb. p.6l2. b) Ibiä. leg. c) blckL-I. c. p. 48.