244
Machen. Historie Neues Testamentes
chen Männern, wenn sie sich fein demüthigen und derHoffart erwehren konten. Denn daß etwa ein Knechtdemüthig war, dasselbe war nicht so scheinbar, war auchein geringe Ding. Wenn aber ein König, Fürst, Edel-mann, OoÄor, oder sonst ein grosser reicher Mann de-müthig war, da schien solche Demuth wie Sonn undMond. Solche Regenten oder Personen Höher» Stan-des gedachten bey sich selbst: Acd! wer bin ick denn?
w. rruin wolle ich mich andern vorziehe»!?Dennallein, dass ich des Regiments halben, eine schwe-rere Last auf mir liegen habe. Es ist ja die EhrermdHerrligkeit wohl grösser, als bey andern, aberderhalbcn werde ich auch soviel desto grössere Rc-chenschasst geben müssen von dem Amr, das ichverwaltet habe. y)
XX.
Wie beweisen sie ihr Mitleiden undMldlgkeit?
Man ließ sich anderer Leute Jammer und Unglück zuHertzen gehen , ob sie einem gleich nicht so nahe angehö-reten. r) Man tröstete, die in Trübsal, Angst, Nochund Anfechtung stcckekcn, damit sie aushalten tönten. 2)Man betete vor die Betrübten und wünschete, daß derbarmherzige Vater und GTn alles Trostes ihnenwolle durch seine»! tröstlichen Geist aus des rech-'ren Trostes Wort, das voller Rrasst und Trostesist, in ihr betrübt und elend Hertz einen seelige»!Trost geben, und sie wieder Wonne und Freudehören, und Friede und Ruhe ins Hertz sprechenlassen, daß sie schmecken möchten, wie autig undfreundlich der HErr sey , der aus gnädigen undväterlichen Rary seine liebe Rinder hier aufEr-den Unters Lreuy wirfst, und hebet sein Gerichtean seinem Hause und geliebten Seelen an, die ermir seines eingebohrnen Sohnes Blut theuer er-kaufst, und zur Rindschasst und Erdschasft ausGnaden, allein um Christi Blut und Vorbirrewillen hat angenommen. K)
Wie sie nun m geistlichen und leiblichen Nöthen dembedrängten und traurigen Nächsten mit schönen Trost-Worten an die Hand grenzen und ihn erquicketen: alsounterliessen sie auch nicht in leiblicher Dürffrigkeit ihmwürckli'che Hülffe zu leisten. Sie waren wie die frucht-baren Bäume, welche die Früchte ihrer Freygebigkeit zurechter Zeit brachten, c) Sie theileten dein NächstenAllmoscn mit, worunter sie aber nicht eben nur ein Stü-cke Brodts, so man dem Bettler vor der Thüre gab, ver-stunden, sondern allerley Wohlthat und gute Wcrcke ge-gen den Nächsten, ci) .. .
Sie thaten aber Gutes mit einfältigem Hertzen, daßsie nicht ihre Ebre, Gunst Danck oder Lohn damit such- ^ten, noch auf einen Menschen sahen, er mochte undanck- >bar seyn oder nicht, sondern sie gaben frey dahin, was sie >geben wollen, und sahen ni chts anders an, als GOttes >
7) l.Vr!iLKV8 m Comments. in 6ea»üo L«w. 9. älttnb.
x. ,274. 2) IkNl. p. W86. s) Ini". 2. ältenb. p 672. b) L1.
! 0 . III einer Lrosir Echrifft an eine betrübte
Matrvn »t>. LI 6 I 5 K 1 VNV. in ku8.L4eIzn.
eli»li-e P.416 c) XlL. in Comment, in ex.
ä rbilixx. Csx. IV, ly. ä) Tom. Z. eUrrab. x. 8S4.
Willen und Ehre. e) Sie nahmen sich aller armen Leu-te dergestalt an, daß sie ihnen mit ihrem Leibe und allemGute halsten, und dennoch keinen Danck davor Hoffeten,sondern sich in den Sinn begaben, und sich nichts gewis-scrs versahen, als, daß ihnen für Wohlthat Undanck undllbelthat vergolten werden würde, f)
XXI.
Wie bezeugten sie sich in derGaft-Fieyheit?
Wenn etliche mit guten ehrlichen Zeugnissen zu ihnenkamen, so nahmen sie selbige freundlich und willig an,warteten und pflegten ihrer, und nöthigten sie auch zusich, als die da aus dem Exempel der Patriarchen, undder-Lehre Christi unterrichtet waren, daß sie nicht Men-scheu aufnahmen und beherbergten , sondern Engel, ja,Christum den Sohn GOttes und den ewigen Vaterselbst, nach dem Spruche Christi : wer euch auf-nimmt, der mmmet mich auf, und war also einHaußein rechter Tempel GOttes, ja, ein Paradieß und Him-mel-Reich ; denn wo GOrr wohnet, da ist auch seinTempel, g)
Es war aber die Gast-Freyheit an allen Orten, da sichdie Kirche befand. Denn dieselbe hatte allezeit einen ge-meinen Beutel und Vorrath, stntemahl sie diesen Befehlhatte: Gib einem jedweden der dich bittet; und daherdieneten alle derselben , und versorgctcn sie nicht alleinmit der Lehre, sondern auch mit Hülffe und Wohlthat,daß zugleich der Geist und das Fleisch darinnen Erqui-ckung und Trost finden möchte, b)
Man tractircte endlich die Gaste nicht sauertöpf-fisch oder heuchlerisch, sondern aus gütigem und auf-richtigem Gemüthe, und lud sie nicht etwa nur mitEhren-Wortcn, sondern recht ernstlich ein. Wennsich auch einige ungeladen einstclleten, machte man ihnennicht das blosse Lttmplimem, daß «ngebekhcne Gäste dieliebsten wären, sondern man meyncte es auch von Hertzen.Bey der Gast-Freyheit aber prahlete man nicht etwa mitseinem Reichthum, und warff damit dein andern seineDürfftigkcit vsr,man schmauftte und prassele auch nicht,daß dabey Haab und Gut zu Grunde giengen, sondernman gab dem Nachbar nur seine gute Neigung zu er-kennen,und bezeuget : seine Liebe gegen die Fremden,Dürff-tigen und Erulancen. i)
XXII.
Wie verhielten sie sich in der BrüderlichenErmahnung?
Das Geboth zu vermahnen oder Sünden zu bcstraffengehöret« nicht allein den Lehrern in der Kirchen, und derOörigkeit im Welt-Regiment, sondern einem jeglichenBürger und Hanß-Vatcr insonderheit. Es Halff alsoein jeglicher Bürger oder Christ dem andern seine Sün-de nicht bergen noch verschweigen , und straffte in derKirchen ein Bruder den andern, wie Christus befohlenhatte, daß sich nicht einer des andern Sünde kheilhasstigmachte. K)
Doch
e) ibidem p. 865. k) 1 ?am. y. 4 lccni>. p Z95. ß) Ikia-mp-686- k) Ikiä-p.457. i)IO LKKRHV» in Comment, i»601 elin p, 165. Tom. I. Oox. ic) l>VHiÜttV8 ia Cowmrrn.in Leneüu lom.K. Hlcenb. p. 525.