-45
XVI. 8e-n!-am. VI.Tsp. Von dem mn:r'!chctt Zust..iil. der Kirchen.
Doch straffte man die Irre>»den und Strauchlendennicht so , daß man an ihnen verzweifeln wolte, als obman sie nimmer auf den guten Weg bringen werde, son
Die Liede gegen die Feinde aber bestund darinnen, daßman ein gutes Hertz gegen sie trug , ihnen alles Gutesgönnte, von Hertzen freundlich, gütig und süsse gegen ei»
dern mit grosser Anzeigung einer guten Hoffnung. I) nen j glichen war, nicht lachete zu seinem Schaden oder
Hauptsächlich bestraffte man das Böse an den Nächstendurch einen Heiligen und erbarm Wandel, doch auch,
Unglück , auch keine böse Worte wieder sie fahren ließ,ob sie einen gleich aufs ärgste schölten, lästerten, schän-
wenn eö dieEhre GOtkcS erforderte, mit Worten, zu-!delen und fluchten, sondern eitel Gutes von ihnen redemahl, da man es nach seinem Stande gar füglich thun te, und ihnen wünschet«, ja, wenn man hörcte, daß sie
konte, oder, aufs wenigste bezeugte man durch allerhandandere Wege, daß man keinen Gefallen an der Übeln Auf-führung des Nächsten trage, m)xxm.
Wonnnen zeigte sich die gemeine Liebe?
Sonderlich in den vier folgenden Pflichten.
1. In der Liebe gegen die Feinde.
2. In dem Gehorsam gegen die Obrigkeit,z. In der Gerechtigkeit.
4. In der Friedfertigkeit.
XXIV.
Wie zeigete sich die Liebe gegen die Feinde?
Es war nicht gnug, daß man diejenigen, so einen be-leidiget hatten, gehen ließ, sondern man hielt es auch vornöthig, ihnen bey erheischender Nothdurfft anfalle Weisebcyzuspringen. n)
Icdermmm, sagte bukkeru;, o) sehe zn,daß er der
einem Unrecht gethan, oder ein Bubenstück bewiesen hat-ten, so sprach man: Vergebe es ihnen GOkt! und klag-te sie allo mitleidig , nichts mehr wünschende, als, daßihnen solches nicht schaden möchte. Man erwiest ihnenauch würcklich allerley Freundschafft und Gutthat, undweil sie wieder GOtt selbst anließen, und in seinen Zornund Ungenaue gefallen waren, so crbarmcte man sich ih-rer, und bethete vor sie, daß sie aus der Blindheit, unddem schrecklichen Unheil kommen möchten, g)
Exempel solcher Liebe gab eö sonderlich viel unter denMärtyrern, wie denn Iohann Heuglin, der 1527. zuCostnitz verbrannt wurde, bey Anhörung seines Urtheilssagte: Ach! verzeihe euchs GDtt, denn ihr wissetnicht, was ihr thut. r) Ein anderer antwortete demHencker, der ihn um Verzeihung bath : Mein Freund,du erzürnest mich damit nickt, sondern ich werde vielmehrdurch deinen Dienst aus einem bösen Gefängnisse erledi-
Lrebe gegen seine Feinde nicht vergesse , und bitte 3 ^ - "nd küssete ihn. s) An
vor die ihn verfolgen und lästern und begehre derer dergleichen mehr vor setzo zu geschweige«,keiner Rahe, wie Christus lcbrer V. Denm XXV.
die unseellgcn Leute sind schon allzusehr gestrafft, Wie zeigete sich der Gehorsam gegen die
und wir, leider! allzu theuer gerochen , daß esZeit ist. uns vor sie gegen GMcr zu setzen, ob wirdie Strasse und das urtheil, das anf ste dringet,möchten abwenden, wie für uns Christus gethanhar, da wir auch in Blindheit sündigten.
Ich sage, spricht er an einem andern Orte, p) zumeinem ärgsten Feinde , soviel meine Person be-trifft, will ich dir hcrrzlich gerne belffen, und al-les Gutes thun, ob du mir gleich fcind bist , undeircl Böses thust. Aber was GDrres Wort be-langet, da solr du keiner Lrcundschaffr noch Liebe
Obrigkeit?
Man gehorchete der Obrigkeit in ihren menschlichenOrdnungen und Mandaten , die der Bernunfft gemäßwaren, rr.id Leib, Gut und Blut betroffen, um des HErrnAFsu Christi willen, der sie selber eingesetzet, und um deSGewissens willen, damit der Glaube nicht verrücket, dasGebeth verhindert,und das Gewissen versehret werden, r)Weil GOtt durch die Obrigkeit, als durch ihre Vä-rer, ihnen gab und erhielt Nahrung , Haust und Hoff,Schlitz und Sicherheit, so achteten sie sich auch schuldigzu ehren und groß M achten, als den theuerstenKleinod auf Erden, u) Mattedelers oder herrlichers, alsund daß die Unterthanen ihreRegenten lieb und wehrt hakten, x) und bethete deswe-gen für dieselbe, damit GOkt durch sie das laglicheDrodtund alle Gemächligkeir dieses Lebens erhalte, y)
Wobey aber die Obrigkeit Abgötterey oder Unrecht be-fehlen wolte, war man ihr nicht gehorsam, und litte lie-ber alles darüber. Denn GOtteS Gebot ist grösser, dennder Menschen, nnd ist auch vor GOtt eine grössere Be-Denu es Geister*r Deinen Feind solt du lieben lj^d lohnung solches Gehorsams. Dem, hier wird von derEures thun, über GDtres Feind muß ich anh,^^'3kcrk uns nur aufkurtze Zert der Lerb unverletzt er-fund seyn, daß ich nicht nur ihm wieder GOtran-s_ bh h) ?_^ hatten,
-^uffe. - -————————-— q) Ikw'-M. r) Leonharo Meyer in den Märtyrer-Thai
ten p. 146. kävvz. ücvr.'rL'rvZ. «) l^vvs. ckcmivs.2 eonli. Meyer p. 421» r) L>i/ri"ruL8iV8 in der Berg»Postille p> kl- u) 4. ^ktenb, p. 485.ttllb. p. y) Tvm. 4> -Virrsd, x.
GOrr wehre und dich zu schänden mache. Genrewill ich dir dienen, aber nicht dazu, daß du GDr-tesworr wilst umstoßen^, da soist du lurcd nichtdazu bringen noch vermögen , daß ich dir einenTrunck Wassers sölr geben. Summa,LTwitzhensoll man lieben und dienen , aber GOrr über al-les, daß wo man dieselbe Liebe hindern oder weh-ren will , da gilt keine Liebe noch Dienst mehr.
ill'om. r. ^ircnb. p. 222. m) nie. ULta.V lN6lV8 Lomrrent-r. in kpitt sä V, H. n IO. 8!<LNHV5
o) Vom.L.ackeob. p. IZl. p) Tom. z./rlrrnb.
k;s-