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Unpartheyische Kirchen-Historie Alten und Neuen Testaments ... / [Johann Georg Heinsius]
Entstehung
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I. Fortsetzung von I7ZI. bis !>7Z5.

predigen. Der erstere meldete in einer Predigt amro. Sontage nach Trinltatiö , diese Frommen hät-ten gesagt, in pcine wären nur 6. bis 8. Personen,die selig würden , sie giengen in die Häuser und bä-ten dieselbe, sie sollen mit ihnen gehen, ihnen dieHand darauf geben , daß sie auf den Sonrag mit-gehen wölken. Der andere predigte noch schärferwider diese Leute , und sol so gar Schcltworte ge-braucht haben , daß daher diese Leute ihn bey demEvangelischen Consistorio in Hildesh.im verklagten,und er auch dahin vorgeladen wurde. Doch HerrWinkeler rieth ihm, daß es besser sey , seine Pre-digt schriftlich zu rechtfertigen, und schickte ihm aucheinige Anmerkungen wider die neuen Heiligen zu,die er in seine Schuzschrift möchte einrücken. Indiesen Anmerkungen führte Herr Winkeler an, einBärger in peine, ein Mitglied dieser Geselschaft,habe sich gerühmet, wie er wolle sein Kind m ÄleinJnfelbe tauffen lassen, sie sagten auch: wirFrommen, der ist auch einer von unsern From-men , der weg nach Rleinen Infelde sey derWeg der Wiedergeburt und Selbstverleug-nung. Selbst d>e Catholischen in Hildesheimmachten deöfals grosse Einwürfe, und als HerrGötze folglich seine Schrift übergab , so blieb dieKlage liegen, und es wurde seines Orcö stille.

Ein halb Jahr darauf änderte sich Herr winke-ler, und schlug sich zu der frommen Brüderschaft,wiederrief in einer Predigt alles, was er wider dienach Blcinen Inselde reisende Personen öffentlichgeprediget hatte, und sagte, er sey falsch berichtetworden, es wären diese Leute fromme Leute. HerrGötze predigte dennoch wider die Heuchler, so daßauch Herr Winkeler sich getroffen hielt, und des-fals >7Z i. den 28. Iulii einen Brief an Herr Gö-tzen schrieb, darin er unter andern sich folgenderWorte bedlenete : «Sie mögen die Leute , die sie«neue Christen nennen, nicht tadeln, ich sinde, daß«die Leute gottesfürchtig sind, ich gehe mit ihnen«um, und wil ferner mit ihnen umgehen, um sie«in solchem Guten zu stärken, ihre Betstunden sind«gut, darin , wie ich selbst gehöret habe, wird ge-lungen, gelesen, GOtt gedanket. Ich habe sie die«Zeit, da ich in Peilte stehe, auch gehalten, ich, finde nicht, daß in den Betstunden, die ein jeder«Haußvater halt, Voßheiten vorgehen, ich bitte«sie, gehen sie mit diesen Leuten um, rc. Allein an-dere merkten an, daß es falsch sey , wenn sich Herrwmkeler anders berichtet nenne, die Leute lebtenjezo, da Herr winkeler zu ihnen getreten, nocheben so, w,e sie vorhin gelebt, als er gegen sie öf-fentlich geeifert, sie hätten sich in keinem Stückeverändert, als daß sie Herrn winkeler, den sie im

Anfange wegen der Art seines Eintritt in das Prr-digtamt nich leiden können, in ihre Brüderschaftaufgenommen hätten. ^

Ueber diese Aufführung Herrn wt'nkelere entstun-den mancherley Urtheile, und es ließ sich zu lauterVerwirrung an. Ein PracticuS Medieinä , HerrHeinrich i^onrad Schefler, bemühctc sich anderegegen die Lockungen der sogenannten frommen Brü-derscbafr zu befestigen, setzte e,n Lied auf, und gabes dem Chöre zu pcine, solches nach der »n Peinebefindlichen Weise, vor seiner Thüre abzusingen,welches sich also anfieng :

Sieh mein Christ dich ja nicht umNach den neuen Grillen,

Richte sonst dein ChristenthumNur nach GOttes Willen.

Laß dich nicht durch QuäkereyIn die Irre bringen,

Noch durch stolze GleißnercyGar ins Garn einschlingen. rc.

Herr winkeler ließ so gleich den Präfectum desChors zu sich fordern, redete sehr hart gegen denVerfasser des Liedes, es sey ein Paßquil, so man aufihn gemacht, und verbot das Lied weiter zu singen,welcher Befehl durch den Rath wiederholet ward.

Herr Schcsler schrieb deswegen an Herr WlNFkelern, und fragte, warum er das Lied e»n Schmäh-lieb nenne, er habe es deswegen aufgesetzt, seineFrau, die durch Herr Winkelers Predigten irregeworden, durch dieses Lied wieder aufzurichten, ver-theidigte sein Lied und sagte, eS sey eben das, wasHerr winkler ehemals selbst wider d»e neuen Hei-ligen geredet habe. Herr winkler hat den Briefnicht beantwortet, aber in der nächsten Predigt HerrGcheflern, wiewol abwesend, sanfrmüchiI (»achseiner Redensart) abgekanzelt, ihn einen armenSünder, albernen und unklugen Weibchen ge-nenncr, doch aber für ihn zu GOtt znbeten verspro-chen, und auch die Gemeine darum ersuchet. Zu die-sem Streite kam auch der Rath «n pcine, stcllcte ei-ne Inquisition an, man hörete Zeugen ab, ob HerrGchesler bey Absingung des Liedes gelachet, ob seineFrau gemeiner? Mit wenigen, der Rath gab sichviel Mühe, aus dem Liede ein Paßquil herauszu-bringen, machte auch das Lied und den ganzen Streitbey dem Consistono in Hildeohcim anhängig.

Herr Schefler schikte indessen sein Lied HerrnbZeumeistern in Hamburg zu, um ein Urtheilüber dasselbige einzuholen, welcher ihm antwortete,er wolle das Lied drucken lassen, gab HerrScheslern den Rath, die Sache an einen vorneh-men Geistlichen in Hannover zu berichten, damit derBrüderschaft gesteuret werde, ermunterte ihn dabey

fort