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II. Fert^tzung von i?z6. bis 1742.
Abrede oder von ohngcfehr, am Sonntage oderam Wcrkelrage, aus verschiedenen Häusern 0der Familien zitsammen zu kommen, in dcrAb,ficht, eine Art vom (Aorresdienst mit Singen,Lesen, und andern Betrachtungen anzustellen;finremal dergleichen Zusammenkünfte,so gur undunschuldig fie auch anfangs scheinen möchten,icderzeit den schädlichsten Folgen, laut der Er,fährung, ausgesetzet blieben. Diese KöniglicheVerordnung wurde dem gesammten geistlich»» Mini-sterio, nebst dem Befehl von dem Consistorio, über-schickt, ein jeder Geistlicher solle sich auf das genaue-ste, doch mit gehöriger Vorsichtigkeit, erkundigen: Obirrige Lehren bey ihren Gemeinen im Schwange gin-gen ? Ob ein oder der andere die reine Lehre auf eineunreine mystische Art, oder mit unverständlichenschwärmerischen Ausdrückungen vortrage? Ob puristi-sche und fanatische Lehrsätze, als vorn innerlichen Licht,Wort, von dem innerlichen Christo, vom Durchbruchu. s.w. propaliret werden ? Ob dergleichen Personenandere mit verführen, sich von dem öffentlichen Got-tesdienst entziehen, oder eine Verachtung gegen GOt-tesWort und die Sakramente spüren lassen ? Ob,wenn,wie, und von wem Convenricula und pietistische Ver-sammlungen gehalten würden? rc.
Ob nun gleich diese Verordnungen der Pietistereyhalber eigentlich, wie es in der Consistorial-Instruk-tion lautet, selten ergangen seyn, «O so erkennetman aus dem folgenden doch, daß auch Schwär-mer und Separatisten mit gemeynet waren. Dennes erging einige Monate hernach an die Geistlichen»ine neue Verordnung, darinne man denselben zugenauerer Prüfung der Geister nähern Unterrichtertheilte. Man beschrieb die Gencralsecke also, daßdie Enthusiasten, Anabaptisten, Donatisten, Quä-cker.Schwenkfeldianer, Rathmannianer, WcigelianerBohmisten, und sonderlich zu unsern Zeilen die Pie-tisten darunter gehöreten. Man setzte darinne ge-wisse Merkmale, woran die Prediger diejenigen er-kennen sollen, welche sich von den Rechtgläubigenunterscheideten. b) Sie waren sowol grobe und of-fenbare, als geheimere. Die grobe» und ofienbaren waren a) eine sonderbare Verachtung der H.Schrift; b) ein indifferentistlscher LibertiniSmuS allerReligionen, daher die Verwerfsung der polemi-schen Theologie und des ^Llenchi flieste; c) derEckel gegen unsere Kirche, Predigamt, äußerlichenGottesdienst und Sakramente; 6) die mystischenund ungeschickten Redensarten von Christo in uns,wobey die Redensart eines aus ihrem Mittel ange-führet ward: Verbum pmrir coclclli; rocic» in-noch>
^-) äK- !!>!>. Lcclct 7". V. p. 6-l.
d) tuüor. ecclek.!. c. x. 6-,6. U. Nachrichten >74'
x. »v l.
generakur, guocie» perkeöte nc>; sä I)LVX1 cnriuer-lünu;; e) die Lehre von der gänzlichen Vollkom-menheit des Menschen in dieser Welt, daher aller-hand schwärmerische Benennungen entstanden; f)die Drdcrsctzung gegen alle gute Ordnungen der Kir-che und der Obrigkeit in Kirchensachen. Hingegendie Merkmale, so sich bey einigen, so etwas reinerseyn wollten, in geheim und gleichsam verdeckt fän-den, waren die: s) Man dringe zu sehr auf die in-nerliche Vollkommenheit und Scelenruh, und vcr-gestc die Beobachtung der äußerlichen Psiichren da,bey; b) man treibe die Religion zu hoch, und ge-rathe auf Ausschweiffungen; c) man mache indif-ferente Dinge, als Zeitungen Lesen, Musie, undsinnliche Vergnügungen, zur Sünde; <l) man habeein Gefallen an wunderlichen und widrigen Mey-nungcn und Redensarten; e) man vermenge dieTheologie, den Glauben und die Christliche Weis-heit mit einander, und halte keinen vor einen Theo,lognm und Lehrer, der nicht den lebendigen Glatt-den hat, und wolle auch seines AmkS nicht brauchen.Fns besondere aber merke man noch an: s) Daß siedie von der Obrigkeit gemachten Ordnungen in Kir-chensachcn für unbillig halten; b) das EvangelischePredigamt unter dem Nahmen Babel, Buchstab»lcr, Miethlinge, und andern schändlichen Nahmenverlästern; c) das Kirchengehen für unnöthig habten; ä) die Kindertauffe entweder verwerffcn, oderdoch die Wiedergeburt und den Tausbund verlachen;c) die Beichte und Absolution «us allerhand Ursa-chen so, wie das H. Abendmal verwerffcn; f) vondem innerlichen Licht, von Offenbarungen, von demverfallenen Christenthum, von Weigcls, Böhmensund anderer Schwärmer Schriften viel Lermens ma-chen; x) dieiemgen, so eö nicht mit ihnen halten,gleich als unwiederqebohrne und Gottlose ansehen;k) Conventicula und Winkelpredigrr halten; i)denChiliasmum entweder bekennen, oder doch ihre Mey,nung vom tausendjährigen Reich nicht den ChiliaS,mum wollen nennen lasten; k) dir Beförderung derGottseeligkeit mit Verkleinerung des Glaubens trei»den, und das Evangelische Lehramt beschuldigen,ilS ob es jenes ohne dieses treibe; I) das Wort GOt-tcö und dre Sacramenta hurch dcn Dienst unwie»dergeborner Lehrer für unkräflig halten; m) eini-ge wohl gar sich aller Arbeit enthalten, weil sie alsein Fluch und Strafe der Sünde in die Welt ge^kommen sey; n) andere den Verdammten gar eineErlösung predigen u. s. w. Diesem allen suchte dernunmehr» seel. D. Menzcr durch eine besondereSchrift noch mehr den Nachdruck zugeben, c) unter
dem.
c) Frübnifgcltscne Früchte 174«. ?- >7«. - biüor
pc>.iet. 1 . V. p. 116.