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Unpartheyische Kirchen-Historie Alten und Neuen Testaments ... / [Johann Georg Heinsius]
Entstehung
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§02

III. Fortsetzung von 174s. bis 1745.

übrigens auf K 1 . KraftS vierte theologische Bib-liorhec e) verweisen, wo man einen vollständigenAuszug dieser Abhandlung lesen kan.

Sie nehmen die heilige Schrift als die einzigeRichtschnur in Glaubenssachen an, halten aber da-bey noch viel auf die so genannten apostolischen Ka-nones und Constikutiones. In der Lehre von derDreyeinigkeit find sie richtig; doch leugnen sie dasAusgehn des heil. Geistes vom Vater und Sohnzugleich. Sie scheinen aber das mehr darum zu thun,weil sie sich von dem Ausgehen keinen Degrif machenkönnen, da sie in den übrigen Redensarten vonheil. Geist mit uns einstimmig sind. 5 ) Sie verehrendie guten Engel noch fast zu sehr, und glauben, daßsie ihr Geber hören. Eben so halten sie es auchmir den Heiligen.

Der Articul von Christo ist der wichtigste,darauf es ankämt, um ein Urtheil wider die bishe-rige Meynung von ihnen zu fällen. In der Sacheselber haben sie in einigen Vekentnissen die Mittel-strasse zwischen den Nestorianern und Eutychianerngehalten, und ausdrücklich gelehrcr: sel'u; LKristu»pllli incarnakionem luam in una pcrlona eli pertec-ku» veu;, öc pcrkeöki» bomo, 2c eric in lccula se-culorum: iägue üne alrcrakionc, 2c line confulio-ne. Doch fehlt eS auch nicht an Leuten unter ihnen,die auf einen von beoden Abwegen gerechten, x) Jaeö scheinet, daß sie seit dem sechsten Jahrhundert,da sie das Chalccdonische Concilium verworfscn,mehr auf die Seite der Eutychianer gehangen. Inder Lehre von den Sakramenten sind sie richtig,reichen aber das heil. Abendmal den Kindern, undgebrauchen an statt des Weins einen Tranck, deraus Rosinen bereitet wird. Sie bedienen sich nochdes grossen und kleinen Vannes. In dem Ehe-stände geht es noch bey ihnen bunt durch einanderher. Die Vielweibcrey ist durch die Kirchengesctzeverboten, sonst aber erlaubt. Die Priester dürstennur einmal heyrathen; thun fie eS zum andernmale,müssen sie den Orden aufgeben. Das erstemal aberhält man es für ein Werck der Nothwendigkeit, daßsie heyrathen müssen, b) Die Ehescheidung ist hin-gegen bey den Abyßiniern um geringer Ursachen willen erlaubt. Sie halten auch daher die Ehe fürkein Sacrament, als deren sie nur zwey erkennen.Denn die BeschiieiduriI, so sie noch haben, hal-ten sie nur vor ein Herkomme» des Landes, den siekeine Kraft und Heiligkeit zuschreiben. Vor dieverstorbenen Heiligen beten sie bey ihrem Gottes«dienst noch öffentlich. Glauben sie kein Fegkener,

v) k. IV. p. 27,. leg.

t) Ovrcvlu Dieolozir /Lräiopum y. zr.

g) Oerrslj l. c. p. 7>. 72. zi.

li) veroel l, c- p. ro,.

so müssen sie doch einen dritten Ort des Aufenthaltsder abgeschiedenen Seelen annehmen. Doch schei»nen sie untereinanter dcshalben mchr alle einerleyMeynung zu seyn.

Wir übergehen das übrige, was schon aus denvorhergehenden bekant ist: und haben nur aus die-ser Probe die Leser selber wollen urtheilen lassen;ob die Abyßinier nicht noch immer der GriechischeuKirche viel näher, als der unsrigen blechen? Siegehören auch nach dieser Beschreibung noch immerzu den Iacobiten, und Cophtithen, und ob manihnen gleich die heilsamen Lehren, so unter ihnennach Vorschrift des göttlichen Worts noch rein undlauter gefunden werden, von Hertzen gönnet, unddie Vermehrung dieses Lichts von EOtt herzlich nuterbittet: so werden doch diejenigen, so Herrn il)er-rels Abhandlung selber, oder nur den Auszugda-raus in obengedachter theologischen Vnbltordec,niit Aufmercksamkeit gelesen, bald urtheilen können,daß noch vieles an der völligen Übereinstimmungmit unserer Lehre fehle. So viel hat der Herr Oer-tel bewiesen, was er sich würcklich auch am eifrigstenzu beweisen hat angelegen seyn lassen, daß die Abosi-nier weder Papisten, noch Calvmisten, noch Pie-tisten, Chilmsten oder Schwärmer find, und daßman viel gutes vou ihnen vermuthen müsse, obman es gleich nicht alles auS ihren Schriften oderBckentnissen erweisen kan.

IX.

Was kömmt noch von einer Griechischen.Gemeine in Deutschland vor?

Wie die Gewlssensfreyheit unter dem PrrusischenScepter jeiro überhaupt gar vielen zu starten kömmt;also haben sich auch die Griechen nicht nur skie/er,sondern auch der freyen Ausübung ihrer Religionunter denselben nunmehr» zu erfreuen. Man kanseit ein paar Jahren in der berühmten HandelS-Stadt Bleßlau auch den griechischen Gottesdienstbesuchen. Man kan zwar cigenlich noch nicht berichten,ob eine eigene schriftliche Conceßwn deshalben von^ch-ro Majestät dem König ausgefertiget worden? dochscheinet die Erlaubniß hierzu in cm den Griechen ih-res Handels wegen ertheiltes Diploma mit eingeschal-tet zu seyn, als Ahro Majestät durch Dero Kriegs u.ivOomainenkammer das griechische Commercienwesenin Ordnung und Nichtigkeit bringen lassen. Wenig-stens hat sich der Griechische Priester, als er darum be-fragt worden, auf ein solches Diploma bezogen.

Zur Zeit fehlet es noch an einer ordentlich,» Ge-meine, oder an Pfarrkindern bey diesem Gottes-dienst. Man suchte zwar vor etlichen Jahren einebeträchtliche Colenic von griechischen Kaufleuten un-ter