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Unpartheyische Kirchen-Historie Alten und Neuen Testaments ... / [Johann Georg Heinsius]
Entstehung
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IV. Fortsetzung von 1746 bis 175s.'

von HclSen, als dem Besitzer des nahe gelegenenSchlojscS vUyst, wegen eines der Kirchen zugehö-rigen BrückenhauscS bekam, und der von sehr ge-fährlichen Folgen hätte seyn können: indem manbercikS von beiden Seiten zu den Waffen gegriffenhatte, wo nicbt unser Herr Äorcum , den die Ge-meine, weil es eine Kirche»,fache betraf, mit Ge-walt zum Anführer bey dem Streite haben wolle,durch sein unpartheyisches, gesetztes und kluges Be-tragen die gütliche Vermittelung und Beyicgungdesselben befördert hätte, wodurch er sich von bei«den Theilen Liebe und Gewogenheit erwarb.

Was er darauf nach einigen fahren, wegen derpreussischen Werbungen, gegen welche er sich seiner-Zuhörer anzunehmen genöthigcl worden, leidenmuffen, hat uns Hr. dfloser in dem obcnangc-füarrcn Lerico der Theologen sehr lveitlaufti^ er-zehlet. W»r wollen so kurz als möglich die Umstän-de dieser merkwürdigen Sache berühren. HerrAorruin hatte bis ins rote Jahr sein Amt in gu-tem Friede nicht ohne Erbauung und Segen gcfüyret, als die grosse Bewegung vorgieng über den ge-waltsamen Werbungen, bey welcher er wie durcheinen Orcan und heftigen Sturm gegen alle seineNeigungen, Intention und Vorsatz in die aller-gröste und wichtigste LandeSaffaire getrieben wurde.Es entstund nemlich 172a. in der Grafschaft Markwegen der von den Soldaten bey den Werbungenbegangenen grossen Excessen ein Ausstand. Deng. Octob. gieng es auf Hattingen loß. Als derTag anbrach, sahe man alle Strassen von dem Ge-dinge her mit Volk bedeckt, allesamt mit Gewehrund an Stangen gebundenen Sensen versehen undzogen also auf die Stadt an. Ob nun wohl dieThore verschlossen waren, so funden sie doch Gele-'genheit durch die Pforte zu dringen, da sie hernachin alle Straffen sich zertheile«» und, weil einigevon der Bürgerschaft ihnen mehreren, die Stadt an-zustecken und hernach die Soldaten zu verfolgendroheten. Mitten unter diesen Tumult kommendie 9. Vorsteher des Kirchspiels zu dem Hrn. B-or-tum, und bitten ihn auf das beweglichste, mit ih-nen zu gehen und dem Volke zuzureden, weil ihnensonst niemand steuren kvnte. Er weigerte es an-fangs schlechterdings, weil es nicht zu seinem Am«gehöre«. Dagegen stelleten sie vor, es sey jetzt diehöchste Noth vorhanden, und belange des KönigsInteresse; wollte er sich weigern, und es entstündeuachgehends Schaden und Blurvergieffen, so wol-len sie auf seinem Gewissen gelassen haben. Nun-mehr tonte er sich nicht langer weigern, zumal in-zwischen noch immer mehrere in das Pfarhaus ka-men, welche die Gefahr vergrößerten, daß es hoheZeit zu eilen. Demnach entschloß er sich, dasjenige

zu thun, was jetzt die Noch von ihm forderte, be-fahl sich dabey GOtt, und gieng also auf den Marktzu. Er redete ihnen mir ernstlichen Worten zu,und stelle« vor, w»e sie an GOtt und dem Königesich durch ihren Aufstand versündigten, und bathsie, sich zur Ruhe zu begeben. Mau achtete aberanfangs nicht darauf, und einige hielten so gar be-reits ihr Gewehr gegen ihn aus und waren Willen«ihn nlederzustossen. Doch durch wiederholtes Zu-reden erweich« er endlich ihre Herzen einigermassen,baß sie ihn anhorcren. Er ton« sie aber auf keineanvere Art zufrieden stellen, und den Aufruhr siilalcn, als daß er ihnen versprach, es soll cm4i>rchen-couvcnl gehalten werden, und das ganze Ministe-rium solte für s« intercediren und ihren kläglichen-Zustand dem äionige vorstellen. So bald er die,rSWort von sich gegeben, legre sich in dem Augen-blick aller Lerm. Weil die Sache keinen Anstandlitte, und dasjenige, so der Gemeinde versprochenworden, forversamst bewerkstelliget werden muste;so verfertig« unser Hr. Bornim alsoforr das Schrei-ben an den geistlichen Inspector, und stelle« vor,zu was für einer Exkremiräl die Sachen gebrachtwären, da, wenn nicht bald Rath gesucht würde,das Verderben ihrer Gemeinden geivie erfolgenmüste. Dabey gab er zu bevenken, ob ein Mini-sterium nicht nach Eid und Pflicht verbunden sev,in biktlicher Weise bey dem Könige das möchlichstezu tt)un? Das Volk zähe darauf und frag« wohl:ob denn die Prediger ihrer Gemeinden Noth ge-ringe hielte», daß sie nicht einmal darüber zusam-men kämen, zumal da auch ihre suchen nicht ver-schonet würden? u. s. f. Diesen Brief schick« ernoch selbigen Tages fort, nachdem ihn ein gewisserDorfprediger, der eben bey ihm war, namens Zah-ler, mit unterschrieben. So bald das Schreibenangelanget war, machte gcmeldter Inspector An-stalt und veranlasse« die Lukäelcxacnz und l!lassi-calhcrren in den Aemtern, sich auf den 7. Octob.bey ihm einzusinden und über einem an Sr. königl.Majestät zu stellenden allerunterthänigsten Supplt-car Rath zu flegen. Er füg« hinzu, daß derglei-chen schon von etlichen Predigern mündlich undschriftlich wäre gesucht und vorgeschlagen worden,wie es auch an dem war. Demnach erschienen aufden gesetzten Tag d>e AmtSdeputirten in der Herr-lichkeit Hagen. Weil der Inspector 'Bmminghausein Man vo»8 z. Jahren, über dem Schrecken,wetcheser wegen des traurigen UeberfallS seiner Kircheempfunden, gar krank worden, so trug er unsermHrn. Bortum sein Amt auf, um den Snnodumzu dirigiren und die Propoßtton zu thun. Die Mi -1nisterialrs begehrten eben dieses. Und also sahe

sich