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Zwei Büsten.
Ebenmaß und Kraft, voller Zierlichkeit und Vollendung — bis auf diereizendsten Hände und Füße! In dem Ganzen eine solche Fülle von An-muth und Freiheit, von Weiblichkeit . . ."
„Wer ist es?" unterbrach ihn Coelestine in scheinbar ruhigem, teil-nehmendem Ton.
„Ein einfaches Bürgermädchen. Eine Glückliche, die über mehrals Millionen gebietet, weil sie gerade so viel besitzt, um das froheste,freieste Leben zu führen; dem die Arbeit, welche sie nur in ihrem eige-nen Dienste verrichtet, um sich zu schmücken und die kleine Wirthschaftihrer Mutter mit in Ordnung zu halten, eine Lust ist. Ein Wesen, demdie ganze Welt zulächelt, weil es selbst sie mit immer freundlichenBlicken ansieht. Eine Seele, in welche die gütige Mutter Natur auchnicht einen bittern Tropfen gegossen hat. Ein Mund, der kein bösesWort, kein höhnisches Lächeln, eine Stirn, die keine Falten, Augen, diekeinen scheelen, zornigen Bück kennen. Eine jener Auserwählten, die, imBewußtsein ihrer Harmlosigkeit und Unschuld und in der Bescheidenheitihrer Wünsche sich nichts zu versagen brauchen; denen auch das, wasbei den höheren Ständen die Stelle des Gewissens vertritt, die Mei-nung von ihresgleichen, nie hemmend und drohend sich in den Weg stellt;denen das freudige Genießen angeboren ist und die daraus, nicht ge-zwungen durch Langeweile und gesellschaftliche Rücksichten, kein schwie-riges, lästiges Geschäft machen, sondern die Freuden pflücken, wo undwie sie solche finden."
„Und diese Freuden theilen Sie mit ihr?"
„Ja!"
„Wie heißt dieses glückliche Wesen?" fragte Coelestine nach einerPause wieder
„Clärchen."
„Und sie hat Ihnen erlaubt, ihr Bildniß zu machen? Sie kommthierher?^
„Ich habe ihr gesagt, daß Niemand es bemerken würde!"
„Und sie hat sich Ihnen ganz anvertraut? Sie hat sich Ihnen ganz— hingegeben?"
Ernst lächelte und erröthete und nickte nur bejahend mit demKopfe.
„Und Clärchen — liebt Sie?"
Wieder hörte Ernst nur die Worte der Frage und nicht den leisezitternden Ton, in dem sie gesprochen waren.
„Ob sie mich liebt? — Ich weiß es nicht. — Ich weiß nur, daßsie Alles für mich ist, was ein Weib ihrem Geliebten sein kann. Sie hatsich vor mir entfaltet in Liebreiz, wie die Blume vor dem Hauche desFrühlings. Ihre Empfindungen, ihre Gedanken, fast ihre Worte sinddie meinigen. Was mich erfreut, ist ihr angenehm; was mich abstößt,ist ihr widerlich; was mich begeistert, erfüllt sie mit Entzücken; was michverstimmt, macht sie wehmüthig. Sie kennt mir gegenüber keine Befan-genheit und keine Absicht. Sie hat mich nicht gefragt, wer ich bin oder