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Zwei Büsten.
was ich besitze. Ich habe es ihr unaufgefordert erzählt, aber sie hat eskaum gehört. Sie weiß nicht, was ein Künstler ist. Daß ich ein solcherMensch bin, wie ich ihr erscheine, daß ich mit ihr zusammen bin, das ge-nügt ihr. Sie hat mir entdeckt, daß ich der erste Mann sei, der ihr zu-sage, sie habe zwar viele Bewunderer und Verehrer gehabt, aber sie seienihr alle roh, oder plump, oder fade, oder gemein vorgekommen. Es istvielleicht nur ihre Eitelkeit, die sie zu mir hinzieht, weil sie ahnt, daßich der Erste bin, der alle ihre Vorzüge ganz zu würdigen versteht. Aberdiese Eitelkeit wäre ein Beweis vom sichersten Tacte."
Ernst hatte, während er sprach, nicht auf Coelestine geblickt, jetzt,als er sich unterbrach, um eine Antwort, eine Bestätigung oder Einwen-dung zu hören — und dieselbe ausblieb, sah er die Freundin an.
Auch sie hatte den Blick in's Unbestimmte gerichtet und in dentiefen, dunklen Augen glänzten Thränen. Es war, als wenn die Perlen,die auf dem Grunde derselben geruht, sich gelöst hätten und in hellen,schweren Tropfen über die Wangen rollten.
„Mein Gott — Sie weinen?" rief Ernst. — „Habe ich Ihnenwehe gethan? Habe ich Sie beleidigt? Ich wollte Ihnen meine Arbeitzeigen, weil Sie die Einzige mir Bekannte sind, bei der ich auf einvolles, anregendes Verständniß hoffen kann; aus diesem Grunde auchhabe ich Ihnen meine kleine Geschichte erzählt — und hätte ich es nichtgethan, so hätten Sie dieselbe über kurz oder lang entstellt und in's Gemeine hinabgezogen aus dem Munde der Leute gehört. Das mußte ichvermeiden. Ich bitte Sie, sprechen Sie! Was ist Ihnen? Womit habeich Sie betrübt? Verzeihen Sie mir!"
Coelestine hatte ihr Gesicht in ihr Tuch verborgen und schluchztelaut. Ernst stand rathlos, trostlos neben ihr. Er machte sich die bitter-sten Vorwürfe und wußte nicht, worüber eigentlich. Er hatte seiner ein-fachen, kindlichen Natur gemäß gehandelt, die keinen höhern Beweis derLiebe kannte, als das Vertrauen.
Coelestine beruhigte sich allmälig. „Sie verkennen mich", sagte sie-„Ich habe Ihnen nichts zu verzeihen. Ich danke Ihnen im Gegentheilfür Ihre Offenheit. Sie haben recht und schön gehandelt und als treuerFreund, wie immer."
„Wenn das wirklich Ihre Meinung ist und Sie wollen mich vonjedem Selbstvorwurfe befreien, so erweisen auch Sie mir Vertrauen —sagen Sie mir, was Sie an meiner Erzählung so außer Fassung gebrachthat, daß ich Sie nicht mehr wiedererkannte."
„O, Sie werden mich noch einmal verstehen, ohne daß ich rede",antwortete Coelestine. — „Dann werden Sie begreifen, was ich durchIhre Erzählung jetzt gelitten habe."
„Wie ist denn das möglich?" rief Ernst, der immer weniger begriff:„Sie sagen mir, daß ich recht und schön gehandelt habe, Sie nennenmich Ihren Freund — und das bin ich — meine Seele lebt in derIhrigen — und doch hat die Erzählung dieses kleinen Abenteuers, dieser