96 Buch IV. Revolutionen von Lotsn bis aus die Römer.
reichten, ließ sich diese nicht behaupten. Das Mittel, dessen mansich bediente, um viel gemeines Volk herbei zu ziehen, war schranken-lose Gleichheit nebst vieler Zügellosigkeit und prächtigen Lustbarkeiten.
Capitel 5.
>r. Solang Perikles lebte, wußte er die aufkeimende Unordnung
""durch die Maximen eines großen Vorstehers, der zu ihrem eigenenBesten über die Menge herrschen muß, im Zaum zu halten. Ent-sprossen aus einem der edelsten Häuser, gebildet nach der erhabenstenPhilosophie, zu der nachdrucksvollesten Beredsamkeit aber wenigerdurch Muster als eigene Seelenhoheit, verwaltete er vierzig Jahrelang die vornehmsten Würden und stand der Volksgemeinde mitsolchem Ansehen vor, daß sein Leben das Studium derjenigen zuseyn sehr verdient, welche in einer Republik sich Aemtern widmen.Man wirst ihm vor, daß er sich auch der Bestechung bediente;traurig, daß er mit Leuten und einer Verfassung zu thun hatte,wo gemeines Beste solche Mittel erfordern mochte! Aber gewiß wardie Demokratie zu seiner Zeit weniger drückend für die Bundes-genossen; unter ihm gelangte Athen zur höchsten Stufe der Machtund des Reichthums; unter ihm erschien die Stadt mehr ehrwürdigals schrecklich; er suchte die Griechen lieber zu gewinnen, als zuunterwerfen. Ein Hauptgrund seines überwiegenden Ansehens warder Ernst seiner Manieren, seine persönliche Tugend, die Würde,womit er vor dem Volk sprach, durch welches er sich nicht regierenließ, dem er nicht schmeichelte, aber dem er in Unfällen Muth gab,und welches er im Uebermuthe durch Verweise beschämte. Diesergroße Mann, einer der geschmackvollesten seiner Zeit, gab den Wissen-schaften und Künsten durch seinen Schutz und Antrieb einen Glanz,den sie nie zuvor, seither nur selten, hatten.