Cap. 19. Die Gracchen.
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in Betrachtung der gebieterischen Umstände, an die Treppe, wo manhinauf znm Capitolium ging, rief, „zu mir, wer das Vaterlandretten will!" und als der Senat, alle großen Bürger, die meistenRitter und ein beträchtlicher Theil des Volks zu ihm trat, erhobsich die Verwirrung, die dem Tiberius das Leben kostete.
Sein Bruder, Cajus, beredter und geistreicher, erneuerte nach v. Cbr.zehn Jahren ähnliche Plane: „daß, gemäß dem alten Licinischen 122.„Gesetz, kein römischer Bürger über 500 Morgen Land besitzen,
„das ganze cisalpinische Gallien zu Italien gerechnet, und in die-selben Vorrechte eintreten, das Korn dem Volk um einen äußerst„niedrigen Preis verkauft, 600 Ritter in den Senat aufgenommen,
„und ihm das Richteramt genommen, den Rittern aber aufgetragen„werden soll." Das ganze Gleichgewicht, welches die Verfassungzusammenhielt, wurde hiedurch gebrochen; als Arbeit aufhörte Be-dürfniß zu seyn, konnten die Sitten anders nicht als leiden. EinMann von feiner Einsicht konnte Hiebei keinen anderen als persön-lichen Absichten oder Leidenschaften folgen.
Er schien gesichert durch die Manier, wie er die Ritter, dasVolk und Italien für die Sache zu interessiren gewußt. Ein Consul,sein persönlicher Feind, Opimius, fetzte einen Preis auf seinen Kopf;aber auch Latium, die Ritter, die bundverwandten Städte erklärtensich für die alte Verfassung, welche ohne die größte Erschütterungnicht fallen konnte. Cajus, verzweifelnd, ließ sich durch einen feinerLeute den Tod geben; auf dem aventinischen Hügel (in der Stadt)wurden bei 200 Mann in Aufruhr erschlagen; als die Ruhe her-gestellt schien, wurden die Theilhaber zur Verantwortung gezogen,es kostete 3000 Menschen das Leben.
Mehr und mehr verschwanden von dem an die alten gutenVerhältnisse. Das Volk wollte nicht mehr gehorchen; alles wurdedurch Geld bewirkt, alles feil. Kein Verbrechen, keine Unordnungin Kriegen, schien schändlich, wenn damit Gewinn verbunden war.