Capitel 20. Der cimbrische Krieg. 191
und ganz Gallien verwüstet, und nach dem Consul Garbo, nunauch Silanus und Scaurus, den Cassius am Genfer See fürchterlichund schimpflich, und in weit blutigeren Schlachten den Cäpio undManlius geschlagen, erzitterte Italien vor Teutoboch und Bojorich,wie zur Zeit Hannibals. Die Cimbern hatten riesenmäßige Ge-stalten; die rauhen barbarischen Töne schreckten; fest und eng,undurchdringlich wie es schien, und wohl unwiderstehlich zeigte sichder Schlachthaufe.
In dieser Noth wurde das Consulat von Niemand gesucht;man fand sich genöthiget, es dem C. Marius, welcher den Jugurthaschlug, aufzutragen, einem den Edlen höchst verhaßten Mann vonArpinum, der mehr von der Derbheit als von dem würdigen An-stand alter Consuln hatte, aber so streng im Commando als einerderselben, und in der Kriegskunst vortrefflich; ein großer Mann,wenn er sich selber so gut beherrscht hätte, wie seine Soldaten.
Marius zog wider die von der gallischen Provinz anziehendenTeutonen; Catulus, sein College im Consulat, wider die aus denrhätischen Alpen hervorströmenden Cimbern. Ehe Marius jene an-griff, stellte er die Kriegszucht her, welche dem Soldat Selbstgefühlund Vertrauen gibt; er gewöhnte sein Heer an den wilden Anblick;den Feind machte er durch Zögerung sicher; durch ebendieselbe ent-flammte er sein Heer zu äußerster Ungeduld; endlich brach er los,und vernichtete bei Aquä Sextiä (Aip in Provence) die Teutonen.
Nachdem er dieses vollbracht, eilte er in die veronesischen Ge-filde, wo Catulus den furchtbaren Schaaren, die kein Schneegebirge,kein Waldstrom aufhielt, nicht zu widerstehen vermochte. Mariusselbst kam in große Gefahr, von dem weit übermächtigen Feinde,der eine Schaar fliehen ließ, auf daß die verfolgenden Römer ihreOrdnung auflösen, abgeschnitten und überflügelt zu werden. Nurwußte er dem Heer neuen Muth für eine entscheidende Anstrengungzu geben, welche um so glücklicher war, als der Feind eine Stellung