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Erste Band.
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Cap. 29. Bürgerlicher Krieg des Brutus uud CassiuS. 225

wohl, daß nicht dieser Cäsar, sondern die ungerechte römische Erobe-rungssucht Ursache alles Uebels war. Wenn man bedenkt, wie schweres ist, alles zu vermögen, ohne diese Kraft gelegenheitlich zu miß-brauchen , wenn man bei inniger Selbstprüfung die Ungewißheit be-merkt, ob wir selbst im gleichen Fall enthaltsamer gewesen seyn dürften,so vergibt man Rom die Eroberungen, dem Cäsar seine Macht, be-klagt die Schwäche der Vernunft im Kampf gegen Leidenschaften, undarbeitet mit erneuerter Anstrengung an Mäßigung der letzteren.

Nach Cäsars Tode suchte Marcns Antonius, einer seiner bestenOfficiers, ein Mann von Kraft und Einsicht, allen ersinnlichen Aus-schweifungen ergeben, von der Verwirrung des Staates für sichselber möglichsten Vortheil zu ziehen. Den jungen Octavius, welchenCäsar, sein Großoheim, zum Erben eingesetzt hatte, behandelte erals einen neunzehnjährigen Jüngling, ohne sonderliche Achtung, biser lernte, wie geschickt Octavius war, alle zur Erwerbung und Er-haltung der Macht nöthig scheinenden Tugenden und Laster anzu-nehmen. Lepidus, ein reicher Mann von edler Abkunft, in persön-lichen Eigenschaften weit nnter ihnen, gesellte sich nachmals demOctavius und Antonius bei.

Sofort aber nach Cäsars Ermordung vermeinte Cicero durchBestätigung der Handlungen desselben, durch Entfernung der Ver«schwornen in die ihnen aufgetragenen Provinzen, und Amnestie,Friede zu erhalten. Den Anmaßungen des Antonius wurde derName des jungen Cäsars Octavius, dem viele Soldaten des ermor-deten Dictators anhingen, auf die schmeichelhafteste Weise als der-jenige entgegengesetzt, auf den Rom hoffe.

Der erste Krieg brach dadurch aus, daß Antonius den DecimusBrutus, einen der Verschwornen, aus dem cisalpinischen Gallien,seiner Provinz, vertreiben wollte, und in Mutina (Modena) belagerte.Der junge Cäsar gab durch die Annahme des Testaments die ersteProbe von Muth; „wenn Cäsar," sagte er seiner Mutter und seinemI. v. Müller, Allq. Gesch. I. 15