Eap. 30. Bon Bereinigung aller Macht in einem Einzigen. 229
Einen Krieg erregte Fulvia, des Clodius Wittwe, des AntoniusGemahlin, durch ihren Schwager, den sie wider Octavianus zustreiten bewog. Oft wankte Lepidus, bis dem Octavian glücktedessen Heer an sich zu ziehen, und ihn von der höchsten Geschäfts-führung auszuschließen. Bor allem wurde der Bürger das Opfer;dem Bruder des Antonius wurde vergeben; die Stadt Perusia, diesich für ihn erklärt hatte, brannte ab. Wie vielen Familien kostetees ihr Erbgut, bis Octavians 47 Legionen Land hatten, bis immerneue Bedürfnisse militärischer Verschwendung befriediget waren!
Während dem fiel Pacorus, der Parther, Sohn des KönigesOrodes, sieghaft in Vorderasien ein; Ventidius nöthigte die Partherin ihre Gränzen zurück; aber der Triumvir Antonius, der hieraufRom rächen wollte, mußte für Glück halten, aus einem Lande,das er in den Eigenheiten seiner Natur nicht gekannt hatte, mitVerlust eines vierten Theils der Armee, und beinahe des ganzenTrosses, in größter Noth sich zu retten. Von d^m an ergab er sichgänzlich der Königin Cleopatra; in aller Art von Wollüsten, indem weichlichsten Leben, in den muthwilligsten Unternehmungenerstarb die Männlichkeit seiner soldatischen Seele; der Stolz blieb;er beleidigte den weisern Collegen, indem er sich von seiner SchwesterOctavia trennte.
Octavianus Cäsar liebte nicht weniger als Antonius das sinn-liche Vergnügen, aber die größere Schwierigkeit, Rom, als Alex-andria, die kaum abnehmende Republik, als gewöhnte Diener derPharaone und Ptolemäer, zu beherrschen, gab ihm früh die vor-sichtigste Klugheit, wie überhaupt Politik, mehr als der Krieg, seineStärke war; in jene warf ihn sein Schicksal vom neunzehnten Jahrean. Auch darum gründete er seine Herrschaft am liebsten auf denWillen des Volks und Senates, und beobachtete lebenslänglich dieForm, sie als eine nur persönliche, außerordentliche, vorübergehendeGewalt alle zehn Jahre niederzulegen, und sich um die Fortsetzung