Ludewig der Große.
3
Indeß der Eigenthümer von Potosi verarmte, verwaltete diefranzösischen Finanzen Colbert. „Ich bin Ewr. Majestät viel schul-dig," sagte der sterbende Mazarin, „aber ein Theil meiner Schuldglaube ich zu bezahlen, indem ich Ihnen Colbert bekannt mache."Die Ausgaben überstiegen die Einnahme zur selbigen Zeit um neunMillionen; letztere belief sich auf hundert sechsundfünfzig; der See-Etat war fast vernichtet: unter Colbert führte der König zwei großeKriege und hielt hundert Linienschiffe; die Finanzen wurden durchDinge erschöpft, welche nach dieses Ministers Tod vorgingen.
Colbert, eifersüchtig die öffentliche Meinung für sich zu gewin-nen (glücklicher Ehrgeiz bei einem Minister!) fing an, viele Auflagenzu vermindern, viele beschwerliche Zölle abzuschaffen. Eben derselbe,da er auf das Urtheil der Nachwelt nicht weniger sah, oder viel-mehr, da er des Erfolgs seiner wohlberechneten Maßregeln sicherwar, ließ sich durch unverständigen oder eigennützigen Tadel nichtirre machen. Mehr als je entwickelte Frankreich die erstaunenswür-digen Kräfte seiner Volksmenge, seiner alten Cultnr, seines schönenKlima, seines fruchtbaren Erdreichs, des eigenthümlichen Geistesund Geschmacks der Nation: glänzende Unternehmungen der Künstler,der gebildetste Geschmack, wurden durch den Hof ermuntert.
Als der Minister, in der Ueberzeugung, daß in solchen Dingendie Franzosen besonders glücklich arbeiten würden, sie besonders zuermuntern schien, warf man ihm vor, „daß er das Reich wie ein„großes Pachtgut regiere; sonst wäre es wie ein großes Lehen be-frachtet worden; Vorschriften gebe er über Sachen, die der Privat-„mann besser wisse; indem er die Kornausfuhr verbiete, um das„Brod wohlfeiler zu machen, und hiedurch den Fabrikwaaren Preise„zu verschaffen, um welche sie die concurrirenden Handelsvölker nicht„geben können, vermindere er den Gewinn der ersten aller Künste,„des Feldbaues; und es wäre besser, daß er den Muth hätte, in„den Finanzen und in der Manier die Auflagen zu heben, eine