2 Buch XXII. Frankreichs Uebergewicht in Europa.
seiner edelsten und tadelswürdigsten Thaten, der hohen Merkwürdigkeitseiner Regierung. Der König war unwissend und ohne helle Grund-sätze; ein großes Unglück! Der Muth guter und großer Dinge,wenn sie zugleich Aufsehen machten, würde ihm nicht gefehlt haben,und er hätte Minister und Feldherren in den letzten Jahren bestergewählt.
So schlecht Frankreich oft regiert, so oft es durch Bürgerkriegezerfleischt worden war, dennoch ging seit den alten englischen Kriegenkeine Provinz verloren, und ein Zeitraum von Eroberungen hattewieder angefangen. Timeline und Conde hatten als Feldherrenkeine Nebenbuhler ihres Ruhms, als Karl Gustav, König derSchweden, den großen Kurfürsten (von Brandenburg) und denkaiserlichen General Montecuculi; so doch, daß letztere sie aufhalten,aber nicht besiegen mochten. Nach ihrem Zurücktritt oder Tod ent-wickelte sich des Marschalls von Luxemburg besondere Geschicklichkeitin Märschen und Lagern; hierauf der Geist Catinats und der gesundeBlick des Marschalls von Villars. Zugleich vervollkommnete derkriegsgelehrte Fmquieres durch strenge Beurtheilung die militärischeKunst. Ein Handwerk war sie vor Moriz von Oranien, der siezur Kunst erhob; Gustav Adolf und Lndewigs Feldherren schufensie zur Wissenschaft. Kriegsminister war Louvois, dessen Stolz denKönig andern Mächten verhaßt machte; sonst war Louvois zu Er-haltung der Ordnung und des Gehorsams der wetteifernden großenFeldherren vortrefflich, über viele Borurtheile und kleine Leiden-schaften erhaben. Eine neue Kunst wurde durch Bauban dargestellt;den Festungen, die er auf den höchsten Grad der Stärke gebracht,ist man den Frieden der Provinzen schuldig, worin, während aus-wärtiger Kriege, die erschöpfte Kraft wieder gesammelt wird.
Nie war die Nnterhandlungskunst in geschicktem Händen. Waswürden Estrades und d'Avaux nicht bewirkt haben, wenn ihnen dieBorurtheile ihres Herrn erlaubt hätten, billigen Grundsätzen zu folgen!