Cap. 22 . Bon dem römischen Hose. H5
Kaiser und Ludewig XIV. waren ungemein der Kirche zugethan;nur wagte Ludewig nicht, die (unter seinem Ansehen erklärten) Frei-heiten der gallicanischeu Kirche ultramontanischen Grundsätzen offen-bar aufzuopfern.
In dem spanischen Krieg bewogen Ludewigs mächtige Beicht-väter den Papst, durch Einfluß des Jesuitenordens, zu Begünsti-gung des Hauses Bourbon. Zwar trachtete er, im Gefühl seinerSchwäche, diese Gesinnung zu verbergen. Aber da er Philipp V.einen Zehnten von den Gütern der Geistlichkeit erlaubte, brachKaiser Joseph I., Leopolds Sohn, ein Fürst von Geist und Muth,die bisher freundschaftlichen Verhältnisse mit Rom. Erzürnt, daßClemens wagte, in einem Reich, dessen Besitz unentschieden war,dem Feind seines Hauses Hülfsquellen zu öffnen, fiel Josephs Heerin den Kirchenstaat und brandschatzte ihn; zugleich wurden zu Mai-land und anderswo die Reichthümer der Geistlichkeit angegriffen.
Clemens gab ein Monitorium, und verbot, solchen Gebotendes Kaisers zu gehorchen: „das Schwert apostolischer Strenge," spracher, „soll die Fesseln sprengen, welche die Potentaten der Kirche„anlegen." Da sequestrirte Joseph alle Güter der Kirche in demStaat von Mailand und im Königreich Neapolis. Der Vicekönig,Graf Dhaun, ließ zu Neapolis einen Geistlichen, der Spion war,aus der Freistätte reißen und aufhängen. Der Kaiser nahm Co-macchio in dem Ferraresischen ein. Der Papst bedrohete ihn mitewiger Berdammniß, „wenn er in dem Frühling seiner Jahre fort-fahre, die heiligen Rechte der Kirche zu verletzen; und weil du,„rebellischer Sohn, wider Gott Waffen ergreifst, so streite auch ich„mit Kirchencensuren und Waffen der Welt."
In der Engelsburg zu Rom ist von Sixtus V. ein Schatz aufFälle äußerster Noth hinterlegt: dieser wurde angegriffen; der Papsthob Soldaten. Die Vorposten der Teutschen verbreiteten sich vonFerrara, welche Stadt eingeschlossen war, gegen Rom. Der Papst