56 Buch XXII. Frankreichs Uebergewlcht in Europa.
Braunschweig-Lüneburg, das Haus Heinrichs des Löwen, er-warb die Kurwürde und die Antwartschast auf die Krone Groß-britanniens. In dem vorletzten Kriege Ludewigs XIV. erbot sichErnst August, Herzog zu Hannover, den Kaiser mit Volk und aufalle andere Weise zu unterstützen. Leopold, als jener zugesagtn. Chr. seine Stimme zur Kaiserwürde immer einem Erzherzog zu ertheilen,1695. ernannte ihn zum neunten Kurfürsten; lang widersetzten sich Reichs-stände, lang der Papst, welcher die Macht der Protestanten bei derKaiserwahl nicht gern vermehrt sehen konnte; die wichtigen Dienste,welche Kaiser und Reich in dem Krieg über die spanische Erbfolgen Chr ^on diesem Hause erhielten, und der Glanz der bevorstehenden Krone1708. bewirkten, daß endlich zu Regensburg Georg, Ernst Augusten Sohn,als Kurfürst unter dem Beding erkannt wurde, daß er seine Stimmenfrei wie die Nettesten ertheilen, und künftig nie ein Kurhut ohne Einwil-ligung der Kurfürsten, Fürsten und Stände vergeben werden soll.n Chr Ernst August hatte nach des Herzogs Franz Julius Tod Lauen-1689. bürg, diesen Rest der Macht Anhalts in Niedersachsen, an sich ge-bracht. Eben derselbe gab seinem Sohn die Tochter des letztenHerzogs zu Braunschweig-Celle. Dem Grafen von Platen, dessenGemahlin er liebte, gab er die Grafschaft Hallermund.
Friedrich August, Kurfürst zu Sachsen, war an Liebe derPracht und schönen Künste, an Eitelkeit, Galanterie und Sinnlich-keit Ludewig XI V. gleich, und erschöpfte das fleißige Sachsenland,so, wie der König die schönste Monarchie Europens. Nur fühltejenes bei geringern Mitteln der Erholung das Uebel geraumereZeit, und da der Hof die Kunst und den Geist der Italiener undFranzosen vorzog, wurden die Teutschen durch seine Verschwendungmehr niedergehalten, als aufgemuntert und entwickelt; daher dasAndenken vorübergegangener Eitelkeit, nicht aber der Eindruck einerfür die teutsche Literatur glücklichen Periode blieb. Die letztere warPrivatmännern ihren Fortgang schuldig.