Band 
Vierter Band.
JPEG-Download
 

64 Buch XXII. Frankreich» Uebergewlcht in Europa.

einführen wollte, alle Provinzen, wo er sie einführen wollte, saher selbst. Da die Geistlichkeit Rußland in der Liebe der alten Roh-heit stärkte, unterdrückte er das Patriarchat, wagte (wie zu Kon-stantinopel Michael III.) seine Ceremonien in ein Possenspiel zu ver-wandeln, und vereinigte die höchste geistliche und weltliche Gewaltin seiner Person. Er selbst sang am Altar als Erster der Bischöfe;die Verwaltung der Kirche übertrug er einer Synode, welche vonihm gesetzt und Werkzeug seines Willens war. DreizehntausendMönche (so viele hatte das Reich mit Inbegriff der Nonnen) führteer, nach alter Art, hinter den Pflug und in Spitäler und Waisen-häuser zurück; er verbot, Jünglinge unter dreißig, Weiber unterfünfzig Jahren aufzunehmen (weil jene sich doch für geistliche Ver-richtungen bilden konnten); befahl der jungen Klerisei das Studiumder Gesetze und die Übersetzung guter Bücher.

Nach Aufhebung der Strelitzengarde bildete er sein Heer aufteutsche Art, und ließ durch Cendorow den Codex militärischer Ge-setze ordnen.

Die von Verdienst oder Glück der Ahnen stammenden Vorzügeachtete er nicht, und gab schmeichelhaftere dem persönlichen Verdienst:der Rang eines Officiers adelte; ein Edelmann, der nichts gelernthatte, war ohne Rang; wer in den ersten acht Aemterclassen diente,wurde dem ältesten Adel gleichgehalten.

Alles dieses zeigt, daß in Rußland noch keine öffentliche Mei-nung existirte, und Gehorsam die Summe der Moral war; dieReform wurde dadurch sehr erleichtert, aber sie gab mehr Scheinvon Cultur als tiefwurzelnde Civilisation.

Der Czar zählte sein Volk, und fand in Rußland 271 Städte,44,000 Flecken, 715,000 Dörfer; 5,091,857 Menschen bezahltendas Kopfgeld; dritthalbhunderttausend Mann, welche zu WafferundLande dienten, der Adel, geistliche und bürgerliche Beamten undeigentliche Landeigenthümer sind nicht unter dieser Zahl.